(Di-)Versificator

geschrieben in gesellschaftliches, menschliches am Juni 24th, 2011 von ra.f.

“It was one of countless similar songs published for the benefit of the proles by a sub-section of the Music Department. The words of these songs were composed without any human intervention whatever on an instrument known as a versificator. But the woman sang so tunefully as to turn the dreadful rubbish into an almost pleasant sound.”

So hat es Orwell in 1984 beschrieben. Selbst der letzte Mist, selbst wenn von einer Maschine, einen Instrument ohne menschlichem Zutun geschaffen, und mit dem einzigen Zwecke versehen, die niederen Proleten, die Primitiven oder Asozialen zu unterhalten und zu verblöden, lässt sich durch das Wunder eines unbezwungenen Geistes, egal wie gebildet, egal wie aufgeklärt, von Blei zu Gold verwandeln. Das ist es woran ich glaube.

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Kleinigkeiten mit Folgen

geschrieben in Kleinigkeiten mit Folgen am Juni 21st, 2011 von ra.f.

Alkohol ist dein Sanitäter in der Not
Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot
Alkohol ist das Dressing für deinen Kopfsalat
Alkohol Alkohol Alkohol

Herbert Grönemeyer

Rinderwahn

geschrieben in gesellschaftliches, nachdenkliches am Juni 17th, 2011 von ra.f.

Irgendwann wird man dich in die Fabrik karren, wird dir 1000 Volt verpassen, dich in zwei Hälften zersägen und in Stücke zerhacken, dir das Fleisch vom Knochen trennen, dich in Plastik packen, vakuum dicht  ins Kühlregal schmeißen. Und wenn du Glück hast vergammelst du da, wartest auf dein Verfallsdatum, an dem sie dich in der Müllverbrennung entsorgen. Und wenn du Pech hast, dann bezahlt dich so ein armer Idiot, haut dich in die Pfanne, packt dich zwischen weißes Brot, kaut auf dir rum und scheißt dich wieder aus.

Aber wer denkt schon an sowas wenn er auf der grünen Wiese steht oder im Pferch und das billige Fastfood in sich reinschaufelt.

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Kleinigkeiten mit Folgen

geschrieben in Kleinigkeiten mit Folgen am Juni 15th, 2011 von ra.f.

Solche und ähnliche Kleinigkeiten
können manchmal dazu führen,
dass besoffene Arbeitslose
mit zerknautschten Segeltuchmützen
und keinen Frauen
am Strand verzweifelt nach
einer Schildkröte grabschen

Charles Bukowski

Matador

geschrieben in nachdenkliches, sinnloses am Juni 15th, 2011 von ra.f.

Spiele nicht mit ihm, Matador
nimm den Degen und stoß  hinein,
hinein in sein Herz und teil es entzwei,
fühle, wie es explodiert.

Sieh ihm in die Augen, Matador
versteh seinen fragenden Blick, begreife den Schmerz
die Trauer und den kraftlosen Zorn
wenn das rote Tuch sich über seine Augen legt.

Du hast ihn bezwungen, Matador
diesen Berg aus totem Fleisch, gerissenen Sehnen
sieh, sein Blut verläuft im Sand; den Gott besiegt,
was bleibt dir jetzt noch du armer Wurm.

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Der Mann der von der Brücke pinkelt

geschrieben in gesellschaftliches, menschliches am Juni 3rd, 2011 von ra.f.

Tatort Autobahn A6, Höhe Ausfahrt Rauenberg, 17:48 Uhr … ein Mann … mittleren Alters, gelbes T-Shirt, beige Shorts, kurze, dunkle Haare, stellenweise kahl, soweit ich das in der Kürze des Moments erfassen konnte … steht auf der Brücke, welche über die Autobahn führt, packt seinen Johannes aus und pisst von oben auf die Fahrbahn.

Liebe Leser, dieses Verhalten mag euch jetzt abstoßend und widerlich erscheinen. Aber ich möchte folgendes zu bedenken geben.   Ist es nicht (1) zu verstehen, dass ein Mann, der tagein tagaus seine naturgegeben, animalischen Triebe unterdrücken muss, sich hingebungsvoll aufopfert für das Wohl seiner Familie, Liebe heuchelt wo Leidenschaft längst ausgestorben ist, Fürsorge und Geduld zeigt, wo die Nerven oft blank liegen, seine Sehnsüchte, seine Träume für sich behält um niemanden damit zu belasten, ist es ihm da nicht zu gönnen, diesem lieben Familienvater, an einem Tag des Jahres, dem Tag der zu seinen Ehren Vatertag benannt wurde, sich die Freiheit zu nehmen, dem Druck seiner Existenz  körperliche Entlastung zu verschaffen?  Und ist es nicht (2) diese rebellische Auflehnung gegen die bestehende Ordnung, die das Rückrat unserer Gesellschaft erst richtig erstarken lässt, eine Gemeinschaft die auf den kreativen, aufmüpfigen und freien Geist angewiesen ist, welche dieser namenlose Held durch seine symbolische Tat, wie Phönix aus der Asche gleich zu neuem Leben erweckt, und somit unserem babylonischen Tun, durch hinzufügen eines weiteren Bausteins zu neuer Höhe und Stabilität verhilft?

Mitnichten! Und nein, das besoffene Schwein hat mich nicht getroffen, ich konnte ausweichen und fuhr glücklicherweise auch kein Cabrio.

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Freiheit ist …

geschrieben in gesellschaftliches, nachdenkliches am Mai 29th, 2011 von ra.f.

… deinem Auto die Entscheidung zu überlassen welche Straße es befahren will, um dennoch immer an einen Ort zu gelangen der dir vertraut ist. Es ist Nacht, es ist Sonntag, die Sperrstunde ist seit Minuten überschritten. Der Barkeeper wischt den Tresen. Ich trink aus und trete hinaus. Die Dunkelheit wirkt friedlich und beruhigend. Ich lasse mich weiter treiben und im Radio stellt Pink Floyd die Frage “did you exchange a walk on part in the war for a lead role in a cage?”

… mir auf der Market Street, Höhe Hotel Whitcomb ein Plätzchen vor dem runtergekommenen Burger King zu sichern. Es ist Nacht, es ist Sonnabend, ein steter Wind weht durch die Stadt in die Bay. Der Boden ist kalt, die braune Tüte macht es erträglich. Die aufgetakelten Miezen der lower Middle Class stolzieren auf ihren glizernden Pumps an mir vorbei. Ich hasse sie. Sie rümpfen die Nase als ihnen mein beißender Geruch nach Pisse in die Nase steigt. Sie wenden sich ab. Angeeckelt von mir! Bald schon haben sie vergessen und träumen weiter ihren Traum vom Land of the free.

Ist das Freiheit? Ist das Sklaverei?

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Am Ende des Tages

geschrieben in persönliches am Mai 23rd, 2011 von ra.f.

Und was bleib am Ende des Tages? Was bleibt übrig wenn die Sonne am Horizont im Meer versinkt? Was dürfen wir mitnehmen und was müssen wir zurücklassen? Was kommt nach der Nacht die uns erwartet? Und werden wir träumen?
Du kennst nun alle Antworten. Alles ist vergänglich.
Das Leben ist wie Musik. Sie ist nicht der Komponist der sie ersinnt, sie ist nicht der Chor der sie singt,  nicht die Luft in der sie schwingt … Musik, das ist das Ohr in dem sie klingt.

(für Olga)

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Den Kopf voll Nix

geschrieben in kulturelles, menschliches am Mai 21st, 2011 von ra.f.

BAP – Verdammt lang her (1981)

… Ich weiß noch wie ich nur dovun jedräump hann
wovunn ich nit woss wie jet söke sollt
vuur lauter Sookerei et Finge jlatt versäump hann
un üvverhaup wat ich wo finge wullt

Nen Kopp voll Nix nur die paar instinktive Tricks
et duhrt lang besste dich durchblicks …

Ich weiß noch wie ich nur davon geträumt hab
wovon ich nicht wusst wie ich es suchen sollt
vor lauter Sucherei das Finden glatt versäumt hab
und überhaupt was ich wo finden wollt

Den Kopf voll Nix, nur die paar instinktive Tricks
es dauert lang bis du dich durchblickst

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Als der Tropfen die Erde berührte

geschrieben in nachdenkliches, sinnloses am Mai 21st, 2011 von ra.f.

Als der Tropfen die Erde berührte stand die Welt für den Moment eines Augenblicks still. Es war als wolle sich die Zeit eine Pause gönnen, eine kleine Rast in ihrer endlosen Unruh. Nun wird sich der eine oder andere fragen, wenn doch alles still stand, wer sollte denn dieses Ereignis beobachtet haben um darüber zu berichten?  Nun ja, niemand konnte das! Es war der Tropfen, er war Auslöser und er war Zeuge. Und alles was die Welt ausmachte, spiegelte sich in diesem Moment auf seiner Oberfläche. Tausend Formen und tausend Farben. Den Boden, den Himmel, Wolken und Sonne, Pflanzen, Tiere und Menschen, alles war erkennbar auf dieser glitzernden Fläche.  Im Innern sammelten sich die Gedanken, die Ideen, Gefühle und Wünsche, Träume und Sehnsüchte.  Alles fand einen Ort und fügte sich ein. Wäre die Welt in diesem Augenblick verharrt, hätte man es als perfekten Zustand beschreiben müssen. Nur die Zeit selbst konnte keinen Platz  im Tropfen besetzen,  sie stand still abseits. Doch die Schönheit des Tropfens zog sie an. Und da sie dieser Magie nicht lange widerstehen konnte, fing sie an sich zu ihm hin zu bewegen. Aber bevor die Zeit den Tropfen erreichte, schlug dieser auf die Erde auf und zerstob in tausend Wasserfontänen. In diesem Moment wurde die Welt neu erschaffen! Doch niemand hat es bemerkt. Nur die Zeit war geblieben was sie immer war, ein langes Band im Hier und Jetzt bis zum Vergessen hin.

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