Courage Fehlanzeige

geschrieben in alltägliches, gesellschaftliches am Dezember 27th, 2009 von ra.f.

“Mädel, die Tür ist da um den Rauch draußen zu halten.” fährt der alte Glatzkopf  in einem rüden Kommandoton die Kellnerin an. “Mach die Tür gefälligst hinter dir zu wenn du rein kommst. Und merkt dir das”. Die verdutzte Kellnerin war geschockt und konnte darauf nur noch ein kleinlautes “ja mach ich” erwidern. Diese kleine Szene beobachtete ich heute in einem Café.

Was bildete der Typ sich ein? Was glaubt der, wer er ist? Wie kommt er dazu in so einem Ton mit seinen Mitmenschen zu reden?  Spielt sich auf wie der König von Deutschland. Mag er in der Sache ja recht haben, aber das ist keine Art das zu äußern. Das sind keine Manieren! Das kann man auch freundlich sagen! So war meine empörte und gefühlte Reaktion darauf.

Nun gut, solche Leute wird es immer geben und solche Szenen spielen sich immer wieder ab. Unbemerkt oder ignoriert und unkommentiert.

Wieso hab ich nichts gesagt? Wieso hab ich mich nicht eingemischt und den Kerl darauf hingewiesen, dass seine Art und Weise so nicht akzeptabel ist? Das hab ich mich später dann gefragt. War das nicht eine Situation in der die viel beschworene Zivilcourage gefragt gewesen wäre? Ja, ich denke schon! Ok, der Bedienung  ist kein körperlicher Schaden zugefügt worden, aber wenn man bereits in solchen – eher harmlosen – Situationen nicht gegen schreiendes Unrecht seinen Mund aufmachen kann, wie kann man sich das dann in anderen -  kritischen oder gewalttätigen – Situationen zutrauen?

Edle Vorsätze! … völliges Versagen bei der Umsetzung! Das ist der Kern des Problems beim Thema Zivilcourage. Gerade bei solchen Alltagssituationen wird keine Kamera in der Nähe sein die dich als Held (oder Märtyrer)  über den Bildschirm flimmern lässt. Keine Gewinnerwartung! Nur der eigenen Feigheit muss man ins Gesicht sehen.

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Weihnachtsgedanken: Balance finden

geschrieben in alltägliches, menschliches am Dezember 24th, 2009 von ra.f.

James Jordan - Achieving balance

Beim Mittagessen erzählte ein Kollege von einer Regel die in Kantinen, Mensen und Großküchen angewandt wird, wie z.B in jener in der wir gerade saßen:  “Steht an einen Tag ein “gutes”  Menü auf der Speisekarte (gemeint ist ein vom Gast sehr gern genommenes Menü), muss auch das zweite angebotene Menü ein “gutes” Essen sein.  Denn die meisten Gäste würden das erste Menü wählen, würde neben dem “guten” Essen ein weniger gern genommenes Menü angeboten werden, was wiederum zur Folge haben kann, dass die Küche Probleme bekommt mit den vorhandenen Gerätschaften die Nachfrage zu decken.

Wieso erzähl ich das? Irgendwie schwirrt mir diese Geschichte seit dem im Kopf herum. Aber wieso? Ist es die Schlussfolgerung aus dieser Regel, dass entweder immer zwei gute Menüs angeboten werden müssen oder eben zwei weniger gute Menüs, denn beides zu mischen schließt die Regel ja gerade aus? Naja, das ist jetzt eher etwas für Großküchentheoretiker.
Nein, worauf ich hinaus will, diese Regel ist ein schönes kleines Beispiel das zeigt, wie wichtig es ist eine richtige Balance zu finden. Gleichmäßig verteilt läuft es einfach besser.

Hier kommt nun die Weihnachten ins Spiel. An diesen letzten Tagen im Jahr, beginnend mit dem heutigen Tag – Heiligabend -  kehrt für die meisten endlich etwas Ruhe ein. Und mit ein wenig Abstand wird man recht schnell erkennen wie es um die eigene Balance bestellt ist. Vielleicht zu viel Arbeit und vernachlässigtes Privatleben?  Zu viel “ich” und zu wenig “wir”, oder gerade umgekehrt? Alles zugleich geht nicht, aber wenn man es gut verteilt, dann geht es wohl. Alles braucht seine Zeit, und diese Zeit muss man sich gönnen.

Ich wünsche allen ein frohe Weihnacht.

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Zukunft der Anonymität

geschrieben in gesellschaftliches, politisches am Dezember 15th, 2009 von ra.f.
Eine Szene aus dem Film 1984
Wird man sich zukünftig noch anonym im Netz bewegen können? Oder wird Orwells 1984 mit ein paar Jahren Verspätung und etwas anderer Kulisse vielleicht doch die Realität beherrschen?

“Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.”

Das sagt Eric Schmidt, CEO von Google in einem Fernseh-Interview des Senders CNBC  (übersetzt von Spiegel-Online).

Wird Google unser Big Brother sein? Wohl eher nicht, dazu fehlen selbst diesem Giganten die nötigen Instrumente. Aber die Rolle des “Ministeriums für Wahrheit” könnte Google durchaus gut ausfüllen. Und das wahrscheinlich nicht erst in ferner Zukunft. Bereits heute bestimmt Google – in erster Linie bedingt durch die ungeheure Marktdominanz der Suchmaschine – welche Information der Surfer zu Gesicht bekommt und welche Information Googles Relevanz-Kriterien nicht erfüllt.  Und auf der anderen Seite sammelt das Unternehmen fleißig Daten der User, teilweise ganz offen und teilweise im verborgenen. Schmidt deutet auch an, wer dieser Big Brother sein könnte, er sagt:

“… it’s possible that this information could be made available to the authorities”

Letztendlich spielt es keine Rolle ob er damit ausschließlich die US Behörden meint. Andere Länder, z.B.  China, sind da wahrscheinlich schon ein großes Stück weiter.

Aber wie steht es nun um die Zukunft der Anonymität für den Einzelnen? Nun gut, insgesamt glaube ich nicht das man hier die weitere Entwicklung zu sehr schwarz malen sollte. Sicherlich wird die aktuelle Entwicklung noch einige Zeit weitergehen und wir alle werden noch gläserner werden. Das ist schlimm genug. Aber irgendwann wird das Bewusstsein dafür geschaffen sein und es wird eine starke Gegenbewegung geben (müssen). Ich bin der Ansicht, dass  das sowohl auf technischem als auch auf kulturellem Gebiet passieren wird und bereits begonnen hat.

Man wird vielleicht nicht unsichtbar sein, aber ein gute Tarnung erfüllt fast den gleichen Zweck. Es wird technische Methoden geben, die dem Nutzer diese Tarnung im Netz ermöglichen. Die Informationssammler könnten beispielsweise in einem Datenrauschen ersticken, das ihnen nicht mehr die Möglichkeit bietet echte von falscher Nutzer-Aktivität zu unterscheiden. Die Verfahren sind bereits vorhanden und man wird sie anwenden um der Gier von Unternehmen wie Google etwas entgegen zu setzen.

Und kulturell betrachtet? Ich meine auch hier kann man die Entwicklung bereits sehen. Der erfolgreiche Kampf der Piratenpartei und anderer Organisationen gegen das “Zugangserschwerungsgesetz” ist ein gutes Beispiel dafür. Wir sollten unsere demokratischen Prinzipien nicht klein reden, sondern wir sollten auf sie vertrauen. Und wir sollten sie vor allem auch anwenden. Das ist unser gutes Recht. Damit erst gar kein Big Brother entstehen kann.

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Der Sonnenschein, der Frosch und der Sperling

geschrieben in menschliches, philosophisches am Dezember 13th, 2009 von ra.f.

Der Sonnenschein war verliebt. Lange hatte er ihn angesehen, den Frosch, der da auf der Leiter saß, grün und schön und voller Stolz. Helle und glückliche Tage verbrachten sie zusammen. Und alle konnten es sehen; alle die Wärme spüren  die er für den Frosch in die Welt strahlte.

Abwechslung! Wieder anderes erleben. Als der Frosch bemerkte wie seine Haut nach und nach trockener wurde, konnte er nur noch daran denken. Und als die Gelegenheit günstig war, wandte er dem Sonnenschein den Rücken zu und stiegt die Sprossen hinab. Die Strahlen verschwanden, es wurde kalt und dunkle Wolken verdeckten den Himmel. Und als der Sonnenschein an diesem Tag den Horizont überquerte wollte er nicht mehr wieder kommen.

Hinter fahlem Grau vergingen die Tage, Regen prasselte und Unwetter wüteten. Da gingen alle zum Frosch, baten ihn, etwas zu tun. Nach langem Zögern willigte er ein, stieg die Sprossen wieder hinauf. Alle freuten sich. Doch die Wolken wichen nicht und keiner wusste ob es den Sonnenschein noch gab.

Ein kleiner Sperling, der oft mit dem Sonnenschein zusammen war, fasste seinen ganzen Mut, flog hoch, höher als er jemals zuvor geflogen war. Er stieß durch die Wolken und  fand den Sonnenschein, allein, traurig und voller Angst. Der Sonnenschein erzählte, wie gerne er zurückkehren würde. Doch der Frosch! Und die Leiter! Es war nicht möglich!

Der Sperling berichtete dem Sonnenschein von der Rückkehr des Frosches, vom erfolglosen Aufstieg. Er berichtete auch von den anderen die darauf warteten das er wieder kehre. Doch bald schon musste er zurück fliegen, denn seine Kräfte ließen nach.

Der Sonnenschein verbrachte noch eine lange Zeit allein hinter den Wolken. Aber dann beschloss er, es müsse vorbei sein.

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Erebus piano

geschrieben in kulturelles am Dezember 6th, 2009 von ra.f.

Erebos (gr. ῎Ερεβος von ἔρεβος „dunkel“, lat. Erebus) ist in der griechischen Mythologie der Gott und die Personifikation der Finsternis. (siehe Wikipedia)

Dieser düstere Geselle bildet heute den Rahmen für mein kleines Geschenk an euch zum 2. Advent, zum Nikolaustag. Es ist ein kleines, gefühlvolles Stück das ich vor kurzem entdeckt habe.  Etwas Entspannendes und so gar nicht finster. Sehr passend für den heutigen Tag, wie ich finde.  Hört selbst …

Erebus (piano)

Einen schönen 2. Advent wünsch ich.

Zur Info: das Stück stammt vom italienischen Multimedia Künstler Andrea Baroni und ist ein Remix eines Soundtracks aus  dem C64 Computerspiel Erebus aus dem Jahr 1986,  komponiert  von Dave Lee.

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sinnlose Weihnacht?

geschrieben in gesellschaftliches, persönliches am Dezember 2nd, 2009 von ra.f.

Foto Quelle: "vintage little girl dressed up for christmas time" von freeparking (Flickr)Ein Weihnachten ohne Geschenke … wäre das schlimm? Ein Weihnachten ohne Christbaum, Weihnachtsgans, Glühwein trinken  … wäre das schlimm? Ein Weihnachten ohne den jährlichen Kirchenbesuch, ohne Kerzenlicht und Bescherung … wäre das schlimm?

Wird die Welt dadurch besser das es Weihnachten gibt? Sterben an Weihnachten mehr Kinder an Unterernährung oder mehr Erwachsene an Herzverfettung? Ist das Licht aller Weihnachtsbäume zusammen heller als das Licht aller Bombeneinschläge?

Kann mir jemand sagen, was an Weihnachten wirklich wichtig ist? Die Familie, die Weihnachtsgeschichte, Gefühle von Geborgenheit?

Foto Quelle: "Weihnachtsfest mit Gaststudent" - Bundesarchiv Bild 183-79060-0002, Berlin (Wikimedia Commons)

All diese Fragen sind rhetorisch und völlig bedeutungslos.  Mir reicht es wenn ich an Weihnachten einen einzigen glücklichen Menschen sehe. Und ja, für diesen einen glücklichen Menschen lohnt sich der ganze Aufwand.

Jeder von euch hat wahrscheinlich seine eigene Vorstellung von dem was ihm an Weihnachten besonders wichtig ist. Wenn ihr Lust habt schreibt es mir doch in den Kommentar. Würde mich ehrlich sehr interessieren.

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Engel

geschrieben in menschliches, philosophisches am Dezember 1st, 2009 von ra.f.

So nun ist es wieder soweit, seit Sonntag ist es offiziell, die Weihnachtszeit hat begonnen. Ein guter Grund für mich hier mal etwas beschaulichere Worte zu schreiben. Zum Beispiel über Engel.

“Wie bitte, jetzt spinnt er völlig!” höre ich den einen oder anderen jetzt sagen. Aber nein, ich mein es völlig ernst, ich möchte über Engel erzählen. Warum auch nicht, denn sind wir mal ehrlich, der einzige Grund warum wir solch ein Thema als kitschig, kindlich oder einfach nur naiv abtun, ist die graue Realität die wir täglich erleben, voll mit  belanglosen Heilsbotschaften. Darin ist Rationalität und Härte gefragt und nicht irgendwelche Sentimentalitäten. Apropos Realität, aber genau darum geht es mir! Denn ich möchte hier gar nicht irgendwelchen esoterischen Unsinn über himmlische Wesen mit Flügeln berichten.

Ob es einen Himmel gibt weiß ich nicht. Das es Engel gibt, da bin ich mir sicher. Und ich bin sicher auch Du bist in deinem Leben bereits einem begegnet. Denn dieser Engel brachte Dir eine Botschaft, nur für Dich; und diese Botschaft hat Dich verändert; hat etwas in Dir verändert; Dir einen neuen Weg oder eine neue Sicht eröffnet und Dich vielleicht ein Stück weit begleitet.  Dazu waren keine besonderen Handlungen nötig, keine besonderen Ereignisse mussten geschehen, nur seine Anwesenheit war ausreichend dafür. Mag sein, dass Du es damals nicht erkannt hast, aber im Rückblick ist es Dir bewusst geworden.

Sicherlich wirst Du diesen Menschen, von dem ich hier rede, nicht unbedingt als einen Engel bezeichnen. Aber die Bezeichnung spielt auch keine besondere Rolle. Ich bezeichne diesen  Menschen – und möchte damit seine Besonderheit unterstreichen – als einen Engel. In Deinem Leben haben solche Menschen vermutlich andere Namen. Aber Du weist von wem ich rede und die Dankbarkeit diesem Menschen gegenüber begleitet Dich immer.

Mag sein das jetzt immer noch der ein oder andere der Meinung ist, dass ich hier infantilen Unsinn von mir gebe. Vielleicht ist es das ja auch, mag sein. Wie auch immer, ich akzeptiere diese Meinung. Meiner Überzeugung wird es nicht schaden.

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