Weltmaschine
geschrieben in gesellschaftliches am März 31st, 2010 von ra.f.
Nun haben sie die 3 Milliarden Maschine endlich zum laufen gebracht. Protonen werden beschleunigt und prallen aufeinander. Dabei sollen dann so niedliche Dinge wie Ups und Downs, Myonen und Neutrinos oder Higgs´ entstehen. Tausende Wissenschaftler und Techniker sind stolz wie Oskar auf ihr neues Spielzeug und wir alle freuen uns mit ihnen, die kleinste Lokalzeitung hat es auf ihrem Titelblatt, im TV ganz präsent zur besten Sendezeit.
Aber über was freuen wir uns da eigentlich? Nun, der Experimentalphysik ist gelungen einen 27km umfassenden Versuchsaufbau zu installieren. Bravo! Die mediale Präsenz zeigt, dass die Wissenschaft in Sachen PR in den letzten Jahren kräftig dazugelernt hat. Das Motto lautet: raus aus den Elfenbeintürmen und versuchen das eigene, unverständliche und teure Tun irgendwie in spannende Unterhaltung umzumünzen.
Aber gibt es denn schon Erkenntnisse? Nein natürlich nicht! Wie gesagt, das ist ja erstmal nur der Versuchsaufbau, eine Datensammelmaschine. Die Versuche werden jetzt erst stattfinden und die gewonnenen Daten müssen ausgewertet werden. Mit ein bisschen Glück lassen sich dann damit die aktuell angesagten Theorien über das Universum und den ganzen Rest experimentell beweisen. Theorien deren mathematische Zusammenhänge nur von einem kleinen,elitären Kreis von Eingeweihten verstanden werden. Wenn es nicht so glücklich verläuft entstehen dabei nur weitere Fragen und noch mehr wundervolle Formeln, aber das wird man dann nicht auf den Titelseiten lesen.
Versteht mich nicht falsch. Ich bin ein großer Fan der Wissenschaft und auch der Grundlagenforschung um die es sich hier handelt. Aber solange ein halber Kontinent an einer Seuche namens AIDS krepiert, die Zahl der Krebserkrankungen und Todesfälle jährlich zunimmt, Gletscher schmelzen und täglichen Millionen Tonnen fossiles Brennmaterial verheizt werden, ist es für mich schwer zu verstehen wie man soviel Aufwand an Geld und Intelligenz in ein Projekt investieren kann das zum Ziel hat dem Urknall eine billionstel Sekunde näher zu kommen.
Muss nicht auch Grundlagenforschung zielgerichtet sein? Darf man diesen Anspruch nicht erheben oder ist das dann Frevelei am Genius unserer Zeit?



