Der Versager

geschrieben in menschliches am November 1st, 2009 von ra.f.
(Fortsetzung von: siehe hier)

Er ist ein Versager. Alle sagen das und es war schon immer so. Er hatte sich daran gewöhnt, es machte ihm nichts mehr aus. Nach dem Tod seiner Mutter war er auf sich allein gestellt. Der Tante, bei der er aufwuchs, bedeutet er nichts und ihm ging es genauso. Er hatte gelernt sich allein durchs Leben zu schlagen, Dreck zu fressen und sich doch einzubilden es hätte ihm geschmeckt. Das war seine Normalität. Er erwartete nichts und Nichts bekam er auch.

Es war eine lausige Nacht, zu viel gesoffen, wie so oft; allein an der Bar sitzend, bis der Kellner ihn aus der Tür schob. Er wusste nicht wohin er gehen sollte, alle Kneipen hatten geschlossen. Einfach nach hause gehen, in seine verdreckte Wohnung; der Gedanke kam ihm nicht einmal.

Der Morgen brach schon an, es ist kalt und Nebelschwaden ziehen um die Bäume als er den Park erreicht. Es war Herbst und das Grau des Morgens verband sich mit den Farben der Blätter. Er hat keine Augen für diese Schönheit. Er setzt sich auf eine Bank, vor ihm liegt ein kleiner See; das Wasser still und glatt. Er ist froh allein zu sein, niemand in seiner Nähe; niemand dem er mit Verachtung begegnen muss.

Der Rausch verschwindet langsam aus seinem Kopf. Es friert ihn und er überlegt ob er gehen sollte. Eine Bewegung auf  der anderen Seite des Sees lässt ihn inne halten. Der Nebel gibt die Umrisse einer Frau frei. Sie setzt sich auf eine Bank, hat ihn nicht bemerkt. Er beobachtet sie; ihr Anblick fesselt ihn. Ein seltsames Gefühl beschleicht ihn als er ein Lächeln zu erkennen glaubt. In diesem Moment wünscht er sich ein Jemand zu sein und all seiner Erfahrungen beraubt.

(Fortsetzung siehe hier)


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