Rinderwahn

geschrieben in gesellschaftliches, nachdenkliches am Juni 17th, 2011 von ra.f.

Irgendwann wird man dich in die Fabrik karren, wird dir 1000 Volt verpassen, dich in zwei Hälften zersägen und in Stücke zerhacken, dir das Fleisch vom Knochen trennen, dich in Plastik packen, vakuum dicht  ins Kühlregal schmeißen. Und wenn du Glück hast vergammelst du da, wartest auf dein Verfallsdatum, an dem sie dich in der Müllverbrennung entsorgen. Und wenn du Pech hast, dann bezahlt dich so ein armer Idiot, haut dich in die Pfanne, packt dich zwischen weißes Brot, kaut auf dir rum und scheißt dich wieder aus.

Aber wer denkt schon an sowas wenn er auf der grünen Wiese steht oder im Pferch und das billige Fastfood in sich reinschaufelt.

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Matador

geschrieben in nachdenkliches, sinnloses am Juni 15th, 2011 von ra.f.

Spiele nicht mit ihm, Matador
nimm den Degen und stoß  hinein,
hinein in sein Herz und teil es entzwei,
fühle, wie es explodiert.

Sieh ihm in die Augen, Matador
versteh seinen fragenden Blick, begreife den Schmerz
die Trauer und den kraftlosen Zorn
wenn das rote Tuch sich über seine Augen legt.

Du hast ihn bezwungen, Matador
diesen Berg aus totem Fleisch, gerissenen Sehnen
sieh, sein Blut verläuft im Sand; den Gott besiegt,
was bleibt dir jetzt noch du armer Wurm.

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Freiheit ist …

geschrieben in gesellschaftliches, nachdenkliches am Mai 29th, 2011 von ra.f.

… deinem Auto die Entscheidung zu überlassen welche Straße es befahren will, um dennoch immer an einen Ort zu gelangen der dir vertraut ist. Es ist Nacht, es ist Sonntag, die Sperrstunde ist seit Minuten überschritten. Der Barkeeper wischt den Tresen. Ich trink aus und trete hinaus. Die Dunkelheit wirkt friedlich und beruhigend. Ich lasse mich weiter treiben und im Radio stellt Pink Floyd die Frage “did you exchange a walk on part in the war for a lead role in a cage?”

… mir auf der Market Street, Höhe Hotel Whitcomb ein Plätzchen vor dem runtergekommenen Burger King zu sichern. Es ist Nacht, es ist Sonnabend, ein steter Wind weht durch die Stadt in die Bay. Der Boden ist kalt, die braune Tüte macht es erträglich. Die aufgetakelten Miezen der lower Middle Class stolzieren auf ihren glizernden Pumps an mir vorbei. Ich hasse sie. Sie rümpfen die Nase als ihnen mein beißender Geruch nach Pisse in die Nase steigt. Sie wenden sich ab. Angeeckelt von mir! Bald schon haben sie vergessen und träumen weiter ihren Traum vom Land of the free.

Ist das Freiheit? Ist das Sklaverei?

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Als der Tropfen die Erde berührte

geschrieben in nachdenkliches, sinnloses am Mai 21st, 2011 von ra.f.

Als der Tropfen die Erde berührte stand die Welt für den Moment eines Augenblicks still. Es war als wolle sich die Zeit eine Pause gönnen, eine kleine Rast in ihrer endlosen Unruh. Nun wird sich der eine oder andere fragen, wenn doch alles still stand, wer sollte denn dieses Ereignis beobachtet haben um darüber zu berichten?  Nun ja, niemand konnte das! Es war der Tropfen, er war Auslöser und er war Zeuge. Und alles was die Welt ausmachte, spiegelte sich in diesem Moment auf seiner Oberfläche. Tausend Formen und tausend Farben. Den Boden, den Himmel, Wolken und Sonne, Pflanzen, Tiere und Menschen, alles war erkennbar auf dieser glitzernden Fläche.  Im Innern sammelten sich die Gedanken, die Ideen, Gefühle und Wünsche, Träume und Sehnsüchte.  Alles fand einen Ort und fügte sich ein. Wäre die Welt in diesem Augenblick verharrt, hätte man es als perfekten Zustand beschreiben müssen. Nur die Zeit selbst konnte keinen Platz  im Tropfen besetzen,  sie stand still abseits. Doch die Schönheit des Tropfens zog sie an. Und da sie dieser Magie nicht lange widerstehen konnte, fing sie an sich zu ihm hin zu bewegen. Aber bevor die Zeit den Tropfen erreichte, schlug dieser auf die Erde auf und zerstob in tausend Wasserfontänen. In diesem Moment wurde die Welt neu erschaffen! Doch niemand hat es bemerkt. Nur die Zeit war geblieben was sie immer war, ein langes Band im Hier und Jetzt bis zum Vergessen hin.

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Jesus

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am Dezember 19th, 2010 von ra.f.

Der kleine Jesus freute sich auf seinen Geburtstag wie jedes andere Kind in seinem Alter es auch tat. Schon Wochen zuvor konnte er nur an diesen einen Tag denken, an all die vielen Geschenke die ihn erwarteten; Mama die für ihn sein Lieblingsessen kochen würde, Spaghetti mit Tomatensoße, aber ohne Käse; er würde seine Freunde einladen und sich von ihnen feiern lassen; sein Stiefvater würde die Esel und die Ochsen aus dem Stall treiben, um darin die Party zu feiern.

Mehr als zweitausend Jahre sitzt er nun schon hier bei seinem Papa und denkt immer wieder sehnsuchtsvoll an die Unschuld dieser Kindertage zurück. Doch vorbei sind die Tage an denen er übers Wasser laufen konnte. Dabei kommen ihm die Worte von Pink Floyd in den Sinn, die da sangen:

If you should go skating
On the thin ice of modern life
Dragging behind you the silent reproach
Of a million tear-stained eyes
Don’t be surprised when a crack in the ice
Appears under your feet.
You slip out of your depth and out of your mind
With your fear flowing out behind you
As you claw the thin ice

(dt.: schlitternd über das Eis des modernen Lebens ziehst du die stillen Vorwürfe von millionen Tränen hinter dir her. Sei nicht überrachst wenn sich unter deinen Füßen ein Sprung im Eis auftut. Du versuchst aus deiner Tiefe zu gleiten, deines Verstandes beraubt und die Angst sitzt dir im Nacken, während du dich ans dünne Eis krallst.)

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Das Baby Prinzip

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am September 30th, 2010 von ra.f.

Es gibt etwas das allen Dingen – belebten und unbelebten – auf dieser Welt gemein ist. Es ist der Prozess des Entstehens, des Werdens und des Seins. Ich nenne es das Baby Prinzip.

Damit Dinge entstehen können benötigen sie einen von der Welt isolierten Raum in dem sie ihre ureigensten Eigenschaften entfalten können. Äußere Einflüsse können sich in dieser Phase extrem schädlich auswirken. Beim Menschen ist dieser Raum der Mutterleib, wo sich aus dem Fötus ein Baby entwickelt. Dieses Ungestörtheitsprinzip ist wichtig damit etwas gelingt, etwas Gutes entstehen kann.

Der Übergang in die zweite Phase der Existenz ist in jedem Fall ein besonderer Moment. Man nennt es Geburt, Richtfest, Schiffstaufe oder Verkaufsstart. (Projektmanager nennen diesen Termin oft Deadline – völlig absurd). Diese zweite Phase ist gekennzeichnet durch das Werden. Wie ein Baby nach der Geburt völlig hilflos und allein nicht lebensfähig ist, so benötigen alle Dinge eine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung wenn sie in die Welt treten (auch wenn unbelebten Dingen diese Phase oft nicht zugestanden wird). Denn was fehlt sind Beziehungen und Verknüpfungen zur Umwelt in die das neue Etwas hinein gekommen ist. Diese Beziehungen müssen hergestellt oder erlernt werden. Es – das Baby, das Objekt – muss nicht in die Welt hineinwachsen, sondern in der Welt aufwachsen und zu einer Persönlichkeit, einem Subjekt werden.

Dies ist dann die dritte Phase, das Erreichen des Seins. Der Übergang ist nahtlos und nicht durch ein singuläres Ereignis gekennzeichnet. Das Sein ist gekennzeichnet durch Vertrauen und Verlässlichkeit in die geschaffenen Beziehungen und zwar in beide Richtungen. Umwelt und Subjekt sind nun fest miteinander verbunden, jeder Versuch der Trennung verursacht Schmerz.

Ich glaube es war Michelangelo, der dieses Prinzip so unglaublich treffend beschrieben hat, als es behauptete, seine Statuen wären bereits im Marmor vorhanden und er hätte sie nur freigelegt. Heute steht sein David in Florenz und ist als Teil der Kunstgeschichte nur schmerzlich wegzudenken.

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Zwischen zwei Tagen

geschrieben in nachdenkliches, persönliches am Juli 5th, 2010 von ra.f.

Ich erreiche den Ort kurz vor Mitternacht. Ein Gewitter zieht auf, ferne Blitze erhellen die Szene. Die Stadt liegt unter mir, strahlend in ihren Lichtern, berauschend wie es immer war. Ein starker Wind weht kühl, doch nicht unangenehm.

Immer wieder zieht es mich an diesen Ort. Hier kreuzen sich Erinnerungen, hier fällt es leicht auf unsichtbare Wahrheiten zu blicken, hell erleuchtet von der Nacht.  Alte Träume kommen mir in den Sinn, ich erkenne sie gut, doch sind sie längst entstellt, wie Zombies aus einer imaginären Welt.

Ein Gefühl des Triumphs steigt in mir auf. Neue Wünsche werden geboren. Der Plan wird angepasst, die Zeit ist gut gewählt. Zwei Wege entstehen. Der Eine führt zurück zu dem was ich immer wollte. Der Zweite lässt nur Dunkelheit erblicken. Welches der richtige ist, lässt sich nicht sagen, im hier und jetzt, zwischen zwei Tagen.

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Was ist ein “Hut”

geschrieben in nachdenkliches, sinnloses am Februar 20th, 2010 von ra.f.

Mein Drucker am Arbeitsplatz meint in letzter Zeit mir etwas Abwechslung verschaffen zu müssen und spuckt immer mal wieder Dokumente aus längst vergessenen Tagen aus. So kam vor kurzen ein historisches Dokument zum Vorschein mit dem schönen Titel: Was ist ein “Hut”?

Was soll das? Wer stellt sich so eine unnütze Frage? Beim Lesen ist mir dann klar geworden, dass hier ein wahrer Philosoph am Werk war, denn darin stehen so denkwürdige Sätze wie:

Es gibt zwei Arten von Hüten: einen Hut den man sich selbst aufgesetzt hat … (und) einen Hut der an jemandem delegiert wurde. Ein Hut hat immer einen Initiator. Er ist derjenige der die Problematik erkannt, Verantwortung übernommen und damit einen Hut erschaffen hat. Er ist auch derjenige der den Hut wieder verschwinden lassen kann… Nur eine Person kann ein Hut tragen … auf der anderen Seite kann eine Person mehrere Hüte tragen.

Ist das nicht reine Magie? Fehlt eigentlich nur noch das weiße Kaninchen. Plötzlich wurde mir klar, dass das Thema ja gar nicht so ungewöhnlich ist. Bereits im kleinen Prinz wird die Frage nach dem Hut dahingehend beantwortet, dass es ja eigentlich kein Hut im engeren Sinne sei, sondern eine Boa Constrictor die einen Elefanten gefressen hat.

Hut

Da sind sie wieder, die Ängste unserer Zeit, die Ängste vor Hüten und dass man nicht sagen kann was sich in einem Hut verbirgt. Man muss zuerst sein Innerstes erforschen. Dann verrät uns der Fuchs sein schönes Geheimnis:

“Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”

Darum seid auf der Hut und schließt die Augen.

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Liebe ist…

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am Februar 8th, 2010 von ra.f.

Sie ist das wichtigste Vermächtnis des Christentums, die stärkste Sehnsucht der Menschheit und wie schon Platon  schrieb “Der Wahnsinn der Götter”: DIE LIEBE! …

So stand es heute in der Einleitung zu einer neuen Artikel-Serie in der BILD Zeitung (08.02.2010). Na, da haben sie ja mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen … oder etwa nicht!?  Meiner Meinung nach so ziemlich die dümmste Definition von Liebe die ich je gelesen habe. Nächstenliebe, evolutionäre Selektion und Rumgepoppe verrückter Götter! Sollen das die Eckpfeiler sein zwischen denen die Liebe lebt! Fehlt da nicht noch ein bischen was! Leidenschaft, Hingabe, Fürsorge und Schmerz, eine ganz besondere Beziehung zwischen zwei Menschen.

Hier noch ein paar Definitionen aus anderen Quellen. Die Wikipedia definiert es auf diese, etwas sehr sterile, aber wahre Weise:

Liebe ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden fähig ist

Richard David Precht meint dazu:

Liebe ist eine unordentliches Gefühl

und man muss ihm schon irgendwo recht geben.
Bei Rammstein, wie kann es anders sein,  geht es ums rammeln:

Liebe ist für alle da

Den Schmerz und die Leidenschaft hat keiner besser auf den Punkt gebracht wie Franz Kafka:

Liebe ist, daß Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle.

Aber die schönste und  romantischste  Beschreibung wie ich finde hat Nena besungen:

Liebe will nicht, Liebe kämpft nicht, Liebe wird nicht, Liebe ist

Und falls euch auch noch ein paar schöne Zitate einfallen, dann schreibt sie mir in den Kommentar.

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Der Sonnenschein, der Frosch und der Sperling

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am Dezember 13th, 2009 von ra.f.

Der Sonnenschein war verliebt. Lange hatte er ihn angesehen, den Frosch, der da auf der Leiter saß, grün und schön und voller Stolz. Helle und glückliche Tage verbrachten sie zusammen. Und alle konnten es sehen; alle die Wärme spüren  die er für den Frosch in die Welt strahlte.

Abwechslung! Wieder anderes erleben. Als der Frosch bemerkte wie seine Haut nach und nach trockener wurde, konnte er nur noch daran denken. Und als die Gelegenheit günstig war, wandte er dem Sonnenschein den Rücken zu und stiegt die Sprossen hinab. Die Strahlen verschwanden, es wurde kalt und dunkle Wolken verdeckten den Himmel. Und als der Sonnenschein an diesem Tag den Horizont überquerte wollte er nicht mehr wieder kommen.

Hinter fahlem Grau vergingen die Tage, Regen prasselte und Unwetter wüteten. Da gingen alle zum Frosch, baten ihn, etwas zu tun. Nach langem Zögern willigte er ein, stieg die Sprossen wieder hinauf. Alle freuten sich. Doch die Wolken wichen nicht und keiner wusste ob es den Sonnenschein noch gab.

Ein kleiner Sperling, der oft mit dem Sonnenschein zusammen war, fasste seinen ganzen Mut, flog hoch, höher als er jemals zuvor geflogen war. Er stieß durch die Wolken und  fand den Sonnenschein, allein, traurig und voller Angst. Der Sonnenschein erzählte, wie gerne er zurückkehren würde. Doch der Frosch! Und die Leiter! Es war nicht möglich!

Der Sperling berichtete dem Sonnenschein von der Rückkehr des Frosches, vom erfolglosen Aufstieg. Er berichtete auch von den anderen die darauf warteten das er wieder kehre. Doch bald schon musste er zurück fliegen, denn seine Kräfte ließen nach.

Der Sonnenschein verbrachte noch eine lange Zeit allein hinter den Wolken. Aber dann beschloss er, es müsse vorbei sein.

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