Hinter Glas

geschrieben in menschliches am November 6th, 2009 von ra.f.

Es gibt Dinge denen du nicht ausweichen kannst, Dinge die einfach geschehen … vielleicht weil sie geschehen müssen.  Folgendes hat sich vor kurzem ereignet:

Ein Mann, nennen wir ihn Eddie, lief durch die Straßen einer Stadt auf der Suche nach einem neuen Leben. Er hatte sein Jetziges satt, lange schon. Er wollte raus, er wollte was Neues sehen, wollte wieder Abenteuer erleben, so wie es damals war.  Eddie denkt oft an damals.

Als er nun so durch die Stadt zog kam er irgendwann an einem Schaufenster vorbei. Hinter diesem Fenster machte sich eine Dekorateurin zu schaffen. Sie wandte ihm den Rücken zu, so dass er sie nicht gleich sehen konnte; und hätte es diesen besonderen Augenblick nicht gegeben, er wäre arglos weiter gegangen. Doch in diesem Moment, dem Moment als sie sich umdrehte und sich ihre Blicke für einen winzigen Augenblick begegneten, änderte sich alles für ihn. Nun war Eddie nicht gerade die Spontanität in Person und doch eher behäbig, deshalb lief er auch erstmal weiter. Doch das Signal war angekommen. Er machte kehrt und lief zurück; zurück zu dem Fenster hinter dem ein Wunder auf ihn wartete.

Ihr Name war Marlena, aber das wusste Eddie zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht; und dennoch, es war ihm als würde ihr Name wie ein Echo durch ihn fließen; ein Echo dessen Ursprung in der Zukunft lag.

Auch sie war von diesem Augenblick an verzaubert. Alle Dinge die gerade noch so wichtig erschienen – die schlecht bezahlte Arbeit,  die Verabredung am Abend mit ihrem Kollegen, die ewigen Nörgeleien ihrer Mutter – waren wie ausgelöscht.  Sie wandte sich der Straße zu; und mit kleinen, zaghaften Schritten trat sie ihm entgegen bis nur noch das dünne Glas sie beide trennte.

Er legte die Hand auf die kühle Scheibe; sie tat es ihm gleich; und niemals werden sie diese erste Berührung vergessen. Lange blieben die beiden so stehen, fast wie erstarrt, ihre Blicke miteinander verbunden. Der Atem, der sich zu beiden Seiten auf der Scheibe niederschlug, konnte ihre Sicht nicht trüben. Denn ihre Sicht war nun weit nach vorne gerichtet;  kein Damals mehr und auch kein Suchen …

An dieser Stelle beende ich die Erzählung dieser Geschichte. Warum? Nun, dafür gibt es einige Gründe. Ein Grund wäre bespielsweise das die folgenden Ereignisse ganz alleine den beiden gehören. Doch ich bin sicher, jeder kennt die Fortsetzung und jeder kann sie für sich selbst weiter erzählen.

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