K.I. (künstliche Inkompetenz)

geschrieben in komisches, persönliches am April 9th, 2010 von ra.f.

Das erste Mal das ich in meinem Leben mit der künstlichen Intelligenz der Maschinen konfrontiert wurde, war in der 9. oder 10.  Klasse der Realschule, so um das Jahr 1987. Mit Computern hatte ich zwar schon etwas länger Erfahrung gesammelt (meine aufgemotzte C64 Brotschachtel war schließlich der Hauptstromfresser in meinem Elternhaus), aber ein besonders prägendes Erlebnis kam ganz unvorhergesehen aus dem eigentlich völlig analogen Umfeld der Schule.

Wie gesagt, letztes oder vorletztes Schuljahr, danach war der Einstieg ins harte Berufsleben obligatorisch. Nur welchen Beruf sollte man ergreifen? Das war die wichtige Frage für Eltern und Lehrer und man selbst machte das Spielchen – naiv wie man war – halt  mal mit.  Nun kam es, dass das Arbeitsamt (damals noch keine kundenorientierte Agentur wie heute), genauer gesagt das B.I.Z. (Berufs-Informations-Zentrum), ein ganz neues modernes, computer-unterstütztes Berufsfindungsangebot hatte.

Nach Angabe ein paar weniger Kriterien darüber,  wie man sich sein späteres Berufsleben so vorstelle, sollte ein intelligenter Computer berechnen, welches der Idealberuf für einen persönlich wäre. Wow! Spannend war das! Es sollte auf einer Skala angegeben werden, wie wichtig oder unwichtig einem bestimmte Eigenschaften in seinem zukünftigen Beruf seien. An die zwei, für mich entscheidenden, Kriterien erinnere ich mich. Das erste Kriterium: “Sollte was mit Technik zu tun haben” … na klar doch … sehr wichtig angekreuzt! Das zweite Kriterium: “Du möchtest den Menschen helfen” …  dumm und verblendet von Serien wie Captain Future und Raumschiff Enterprise habe ich diese Frage etwas falsch interpretiert, für mich las sich das wie:  “Du möchtest der Menschheit helfen”  … klar doch … ich werde die Welt verbessern … wartet’s nur ab … sehr wichtig angekreuzt.

Nach ein paar Wochen kamen die Ergebnisse nadel-gedruckt auf einem Streifen grün-weißem Endlospapiers. Endlich sollten meine sehnlichsten, unausgesprochenen Berufswünsche, wie Raumfahrer oder Hubschrauberrettungspilot, von amtlicher Seite her bestätigt werden. Voll Spannung begann ich zu lesen. An Position 1 stand:  Zahntechniker … danach folgten noch ein paar weitere Berufe aus dem medizinisch-technischen Bereich. Um es vorsichtig zu sagen, ich war schockiert! Ich, der Erzfeind unseres örtlichen Zahnarztes, sollte Zahntechniker werden! Niemals! Ich lies denn Ausdruck dann ganz schnell und unauffällig verschwinden und immer wenn mich jemand darauf anspracht druckste ich drum herum.

Damals kam in mir die Einsicht hoch, dass es um die Intelligenz der Computerprogramme nicht sehr gut bestellt war. Was mich letztlich aber auch mit dazu bewogen hatte – nicht ganz im Einklang mit den Ansichten meines Vaters -  weiter zur Schule zu gehen, das Abi zu machen, um dann das zu Studieren, was mich dazu befähigen sollte diese dämlichen Rechenmaschinen schlauer zu machen.

Um es kurz zu machen, erreicht habe ich das bis heute nicht. Künstliche Intelligenz ist und bleibt ein Mythos.  Aber im Rückblick auf dieses Ereignis ist mir klar geworden, das menschliche Intelligenz – zumindest aus meiner Warte betrachtet und auf mich blickend – auch nicht mehr sein kann als nur ein Mythos. Denn hätte ich damals den Rat der Maschine befolgt, hätte ich mir wahrscheinlich im Laufe der Jahre, durch eigenes handwerkliches Geschick, viel Geld sparen können und würde mich jetzt nicht mit dem  Preis- und Leistungsvergleich von Zahnzusatzversicherungen rumschlagen müssen.

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