Matador

geschrieben in nachdenkliches, sinnloses am Juni 15th, 2011 von ra.f.

Spiele nicht mit ihm, Matador
nimm den Degen und stoß  hinein,
hinein in sein Herz und teil es entzwei,
fühle, wie es explodiert.

Sieh ihm in die Augen, Matador
versteh seinen fragenden Blick, begreife den Schmerz
die Trauer und den kraftlosen Zorn
wenn das rote Tuch sich über seine Augen legt.

Du hast ihn bezwungen, Matador
diesen Berg aus totem Fleisch, gerissenen Sehnen
sieh, sein Blut verläuft im Sand; den Gott besiegt,
was bleibt dir jetzt noch du armer Wurm.

Tags: , , , ,

Am Ende des Tages

geschrieben in persönliches am Mai 23rd, 2011 von ra.f.

Und was bleib am Ende des Tages? Was bleibt übrig wenn die Sonne am Horizont im Meer versinkt? Was dürfen wir mitnehmen und was müssen wir zurücklassen? Was kommt nach der Nacht die uns erwartet? Und werden wir träumen?
Du kennst nun alle Antworten. Alles ist vergänglich.
Das Leben ist wie Musik. Sie ist nicht der Komponist der sie ersinnt, sie ist nicht der Chor der sie singt,  nicht die Luft in der sie schwingt … Musik, das ist das Ohr in dem sie klingt.

(für Olga)

Tags: , , ,

Den Kopf voll Nix

geschrieben in kulturelles, menschliches am Mai 21st, 2011 von ra.f.

BAP – Verdammt lang her (1981)

… Ich weiß noch wie ich nur dovun jedräump hann
wovunn ich nit woss wie jet söke sollt
vuur lauter Sookerei et Finge jlatt versäump hann
un üvverhaup wat ich wo finge wullt

Nen Kopp voll Nix nur die paar instinktive Tricks
et duhrt lang besste dich durchblicks …

Ich weiß noch wie ich nur davon geträumt hab
wovon ich nicht wusst wie ich es suchen sollt
vor lauter Sucherei das Finden glatt versäumt hab
und überhaupt was ich wo finden wollt

Den Kopf voll Nix, nur die paar instinktive Tricks
es dauert lang bis du dich durchblickst

Tags: , , ,

Die Blume

geschrieben in persönliches am Mai 15th, 2011 von ra.f.

Vor Jahren hab ich eine Blume geschenkt
Es ergab sich und geschah aus dem Moment
Als kleines Symbol von Zuneigung zu ihr
doch unbekümmert, denn wir waren nicht wir

Die Zeit hat anders entschieden
Die Blüte verwelkt, wir auseinander getrieben
Im Rückblick, die einzige Blume an die ich mich erinner
Und manchmal träum ich sie blüht noch immer

Tags: , , ,

Jesus

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am Dezember 19th, 2010 von ra.f.

Der kleine Jesus freute sich auf seinen Geburtstag wie jedes andere Kind in seinem Alter es auch tat. Schon Wochen zuvor konnte er nur an diesen einen Tag denken, an all die vielen Geschenke die ihn erwarteten; Mama die für ihn sein Lieblingsessen kochen würde, Spaghetti mit Tomatensoße, aber ohne Käse; er würde seine Freunde einladen und sich von ihnen feiern lassen; sein Stiefvater würde die Esel und die Ochsen aus dem Stall treiben, um darin die Party zu feiern.

Mehr als zweitausend Jahre sitzt er nun schon hier bei seinem Papa und denkt immer wieder sehnsuchtsvoll an die Unschuld dieser Kindertage zurück. Doch vorbei sind die Tage an denen er übers Wasser laufen konnte. Dabei kommen ihm die Worte von Pink Floyd in den Sinn, die da sangen:

If you should go skating
On the thin ice of modern life
Dragging behind you the silent reproach
Of a million tear-stained eyes
Don’t be surprised when a crack in the ice
Appears under your feet.
You slip out of your depth and out of your mind
With your fear flowing out behind you
As you claw the thin ice

(dt.: schlitternd über das Eis des modernen Lebens ziehst du die stillen Vorwürfe von millionen Tränen hinter dir her. Sei nicht überrachst wenn sich unter deinen Füßen ein Sprung im Eis auftut. Du versuchst aus deiner Tiefe zu gleiten, deines Verstandes beraubt und die Angst sitzt dir im Nacken, während du dich ans dünne Eis krallst.)

Tags: , , , ,

Das Gefühl

geschrieben in menschliches am November 2nd, 2010 von ra.f.

Manchmal überkommt es dich, dieses ganz besondere Gefühl. Und du fühlst dich wie zurückversetzt, dahin als es entstand. Damals wusstest du es nicht; wusstest nicht wie wichtig dieser Moment ist; welch Gewicht er für dein Leben hat. Und immer wieder und immer fort, bestimmend drängt es sich zurück in deine Realität. Das Gefühl ist in dir; es ist Teil von dir; es ist du. Und immer wenn du glaubst du kannst es wiederholen und du glaubst es wiederholt sich jetzt, so ist es doch immer nur wie der zweite Schluck aus einem Glas.

Tags: , , ,

Das Baby Prinzip

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am September 30th, 2010 von ra.f.

Es gibt etwas das allen Dingen – belebten und unbelebten – auf dieser Welt gemein ist. Es ist der Prozess des Entstehens, des Werdens und des Seins. Ich nenne es das Baby Prinzip.

Damit Dinge entstehen können benötigen sie einen von der Welt isolierten Raum in dem sie ihre ureigensten Eigenschaften entfalten können. Äußere Einflüsse können sich in dieser Phase extrem schädlich auswirken. Beim Menschen ist dieser Raum der Mutterleib, wo sich aus dem Fötus ein Baby entwickelt. Dieses Ungestörtheitsprinzip ist wichtig damit etwas gelingt, etwas Gutes entstehen kann.

Der Übergang in die zweite Phase der Existenz ist in jedem Fall ein besonderer Moment. Man nennt es Geburt, Richtfest, Schiffstaufe oder Verkaufsstart. (Projektmanager nennen diesen Termin oft Deadline – völlig absurd). Diese zweite Phase ist gekennzeichnet durch das Werden. Wie ein Baby nach der Geburt völlig hilflos und allein nicht lebensfähig ist, so benötigen alle Dinge eine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung wenn sie in die Welt treten (auch wenn unbelebten Dingen diese Phase oft nicht zugestanden wird). Denn was fehlt sind Beziehungen und Verknüpfungen zur Umwelt in die das neue Etwas hinein gekommen ist. Diese Beziehungen müssen hergestellt oder erlernt werden. Es – das Baby, das Objekt – muss nicht in die Welt hineinwachsen, sondern in der Welt aufwachsen und zu einer Persönlichkeit, einem Subjekt werden.

Dies ist dann die dritte Phase, das Erreichen des Seins. Der Übergang ist nahtlos und nicht durch ein singuläres Ereignis gekennzeichnet. Das Sein ist gekennzeichnet durch Vertrauen und Verlässlichkeit in die geschaffenen Beziehungen und zwar in beide Richtungen. Umwelt und Subjekt sind nun fest miteinander verbunden, jeder Versuch der Trennung verursacht Schmerz.

Ich glaube es war Michelangelo, der dieses Prinzip so unglaublich treffend beschrieben hat, als es behauptete, seine Statuen wären bereits im Marmor vorhanden und er hätte sie nur freigelegt. Heute steht sein David in Florenz und ist als Teil der Kunstgeschichte nur schmerzlich wegzudenken.

Tags: , , , ,

Gutenberg Zauber

geschrieben in persönliches am Juli 9th, 2010 von ra.f.

Gerade sitze ich hier in meiner überhitzten Dachwohnung. Die Kleine schläft friedlich im Hintergrund. Der angenehme Klang entfernter Jazz Musik dringt von draußen herein und gibt dem Glas leicht-gekühltem Rotwein eine ganz besondere Beinote. Am Horizont über den Dächern der Häuser ist noch das letzte Glimmen der untergegangene Sonne zu erahnen und ein laues Lüftchen, das durch die weit aufgerissen Fenster streift, kündigt die wohltuende Abkühlung der Nacht an.

Entspannung ist es was mir in den Sinn kommt. So muss Urlaub sein, denk ich mir. Und tatsächlich, es ist ein ganz besonderer Flair, der an solchen Sommertagen den Zauber dieser Gegend ausmacht.  Der Gegend rund um den Karlsruher Gutenbergplatz.

Tags: , , , ,

Zwischen zwei Tagen

geschrieben in nachdenkliches, persönliches am Juli 5th, 2010 von ra.f.

Ich erreiche den Ort kurz vor Mitternacht. Ein Gewitter zieht auf, ferne Blitze erhellen die Szene. Die Stadt liegt unter mir, strahlend in ihren Lichtern, berauschend wie es immer war. Ein starker Wind weht kühl, doch nicht unangenehm.

Immer wieder zieht es mich an diesen Ort. Hier kreuzen sich Erinnerungen, hier fällt es leicht auf unsichtbare Wahrheiten zu blicken, hell erleuchtet von der Nacht.  Alte Träume kommen mir in den Sinn, ich erkenne sie gut, doch sind sie längst entstellt, wie Zombies aus einer imaginären Welt.

Ein Gefühl des Triumphs steigt in mir auf. Neue Wünsche werden geboren. Der Plan wird angepasst, die Zeit ist gut gewählt. Zwei Wege entstehen. Der Eine führt zurück zu dem was ich immer wollte. Der Zweite lässt nur Dunkelheit erblicken. Welches der richtige ist, lässt sich nicht sagen, im hier und jetzt, zwischen zwei Tagen.

Tags: , , , ,

Zeit zu gehen

geschrieben in menschliches am März 30th, 2010 von ra.f.

(Fortsetzung von “Das Konzert”)

Was hält sie noch hier auf dieser Bank? Sie kennt die Antwort auf diese Frage. Es ist diese wage Hoffnung, dieser immer wieder kehrende Wunsch endlich dem Richtigen zu begegnen. Doch wenn sie darüber nachdenkt wie denn dieser Eine sein soll, kommt sie ins schleudern. Dann verwirren sich ihre Gedanken, Widersprüche treffen aufeinander und am Ende bleibt nur die Sehnsucht und die Traurigkeit.

Die Sonnenstrahlen der Morgensonne fallen durch die laubfreien Äste der Bäume. Das Glitzern auf der Wasseroberfläche, wie tausend  helle Stimmen die sich durch ihre Augen Gehör verschaffen: “lebe” flüstern sie, “lebe wieder, lebe jetzt” flüstern sie. Sie kann nicht. Noch nicht. Die Ereignisse der letzten Nacht waren noch zu frisch. Sie erinnerte sich an ihren letzten bewussten Gedanken: “Zeit zu gehen” dachte sie und schluckte die handvoll Tabletten … Stille …  Müdigkeit … dann Tod.

Sie wusste nicht weshalb sie wieder erwacht war. Lag es an der Dosis? Sie fühlte sich elend, musste sich übergeben. Kurz darauf kamen die Erinnerungen wieder, die Erinnerungen an Ihn. Sie hatte ihn getroffen. Für Momente hatte er sie glücklich gemacht. Dann war er weg, weg für immer. Sie zog sich zurück, ihre Welt wurde kleiner, ihre Welt wurde einsam.

Sie hatte nicht mehr den Mut noch mehr Tabletten zu schlucken. Sie verließ ihr Wohnung fluchtartig, wie einen Tatort an dem sie sich schuldig gemacht hatte. Nur ihre Bank konnte ihr jetzt noch Trost verschaffen und Niemand der auf sie wartete.

Tags: , , , , , ,