Ein alter Freund

geschrieben in menschliches am Juni 4th, 2010 von ra.f.

Vor kurzen traf ich einen alten Freund, einen Blutsbruder meiner Vergangenheit. Was hat nur unsere Wege getrennt? Ewige Freundschaft hatten wir uns geschworen, doch vor Jahren uns dann aus den Augen verloren.

Ich erschrak, als ich ihn nun wieder sah und was aus ihm geworden war. Alt, geknickt, ich muss es sagen. Wo war der Unbeschwertheit unserer Jugendtage?

Das Bier floss gut, wir knüpften an die alte Vertrautheit an, so wie es immer war und der Abend wurde lang. Lachend wurden Geschichten aufgetaut. Bis ihr Name fiel, dann verstummte er. Kann es sein? Es war doch schon so lange her.

Ein Traumpaar waren sie, kannten sich seit Kindesbeinen. Unzertrennlich! Mit Plänen für die Ewigkeiten. Was war geschehen? Was konnte sie trennen? Er erzählte wie sie plötzlich verschwand, ein letztes Wort in einem Abschiedsbrief an der Wand.

Es folgte eine Zeit, mit Alkohol, Selbstmordgedanken und viel Einsamkeit. Doch immer wenn er von ihr sprach, ein glitzerndes Leuchten in seine Augen trat. Tränen voller Licht und Traurigkeit. Die Jahre verstrichen, die Sehnsucht blieb, die Freude verblichen.

Vor kurzem traf ich einen alten Freund. Der nur noch lebte in seiner Vergangenheit. Als wir uns trennten, ergriff ich die Flucht, damit ich nicht der Krankheit verfalle, die ihn hat heimgesucht.

(frei nach dem  Song “A friend in a bar” von Tina Dico)

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Zeit zu gehen

geschrieben in menschliches am März 30th, 2010 von ra.f.

(Fortsetzung von “Das Konzert”)

Was hält sie noch hier auf dieser Bank? Sie kennt die Antwort auf diese Frage. Es ist diese wage Hoffnung, dieser immer wieder kehrende Wunsch endlich dem Richtigen zu begegnen. Doch wenn sie darüber nachdenkt wie denn dieser Eine sein soll, kommt sie ins schleudern. Dann verwirren sich ihre Gedanken, Widersprüche treffen aufeinander und am Ende bleibt nur die Sehnsucht und die Traurigkeit.

Die Sonnenstrahlen der Morgensonne fallen durch die laubfreien Äste der Bäume. Das Glitzern auf der Wasseroberfläche, wie tausend  helle Stimmen die sich durch ihre Augen Gehör verschaffen: “lebe” flüstern sie, “lebe wieder, lebe jetzt” flüstern sie. Sie kann nicht. Noch nicht. Die Ereignisse der letzten Nacht waren noch zu frisch. Sie erinnerte sich an ihren letzten bewussten Gedanken: “Zeit zu gehen” dachte sie und schluckte die handvoll Tabletten … Stille …  Müdigkeit … dann Tod.

Sie wusste nicht weshalb sie wieder erwacht war. Lag es an der Dosis? Sie fühlte sich elend, musste sich übergeben. Kurz darauf kamen die Erinnerungen wieder, die Erinnerungen an Ihn. Sie hatte ihn getroffen. Für Momente hatte er sie glücklich gemacht. Dann war er weg, weg für immer. Sie zog sich zurück, ihre Welt wurde kleiner, ihre Welt wurde einsam.

Sie hatte nicht mehr den Mut noch mehr Tabletten zu schlucken. Sie verließ ihr Wohnung fluchtartig, wie einen Tatort an dem sie sich schuldig gemacht hatte. Nur ihre Bank konnte ihr jetzt noch Trost verschaffen und Niemand der auf sie wartete.

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Danny (18)

geschrieben in gesellschaftliches, menschliches am März 8th, 2010 von ra.f.

Danny war kein unbeschriebenes Blatt. Vor vier Jahren galt er als der schlimmste Jugendliche im Land, so nannten ihn seine Eltern und eine Zeitung  brachte es ganz groß raus. Damals war er der Held in der Hölle. Die Hölle, das war das Heim in das man ihn gesteckt hatte. Der Triumph des Ruhms hielt nicht lange an, bald darauf war da nur noch Wut und Hass auf alles und jeden. Und er lies es raus, jeder bekam es zu spüren, Psychologen, Erzieher, Mitbewohner, immer brutaler, ohne Gnade. Man steckte ihn schließlich in eine Jugenderziehungsanstalt, schloss in weg, man vergaß ihn.

Es gab Momente da dachte er über sein Handeln nach und es gab auch Momente da wollte er sich ändern. Doch er konnte sich nicht kontrollieren, nicht beherrschen, er konnte die Grenzen nicht erkennen über die er trat. Er hat schon immer getan was er wollte, man hat ihn tun lassen, andere zählten nicht, null Toleranz.

Es geschah drei Monate vor seinem achtzehnten Geburtstag. Ein neue Sozialarbeiterin trat ihren Dienst in der Anstalt an. Sie war um die 30 und  hatte entfernt Ähnlichkeit mit seiner Mutter.  Er hasste sie.

Bei ihrem ersten Gespräch lies er sie seine Verachtung spüren, beschimpfte sie, beleidigte sie und er sah das sein Worte Wirkung zeigten. Aber er sah auch das er sie nicht brechen konnte und seine Waffen wurden stumpf. Sie sagte: “hör auf damit!” Er begann zu weinen, er wusste nicht weshalb und konnte es nicht erklären, es geschah einfach. Sie nahm ihn in die Arme, dann war es vorbei.

Nein, natürlich ging das nicht ganz so schnell. Aber schneller als es jeder für möglich gehalten hatte. Sie war immer da, sie war da für ihn, kümmerte sich um ihn, sie nahm in ernst, hörte ihm zu, sie war streng und unnachgiebig. Die nächsten Wochen erhielt er einen Crashkurs in Sachen Respekt und Nächstenliebe. Er hörte auf sie, nie zuvor hatte er auf jemanden gehört. Er lerne sich kontrollieren und seine Gefühle in Zaum zum halten. Er war glücklich und stolz.

Heute ist sein achtzehnter Geburtstag. Endlich erwachsen! Seine letzte Beurteilung ist gut, er darf raus, er ist frei, das ganze Leben vor sich. Und da ist eine Perspektive wo vorher nur Nebel war. Die ersten Schritte auf diesem Weg führen ihn in den nächsten Blumenladen, wo er den ersten Strauß rote Rosen seines Lebens kauft.

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Das Konzert

geschrieben in menschliches am März 5th, 2010 von ra.f.
(Fortsetzung von hier)

Er spürt wie sie ihn plötzlich anblickt. Er fühlt sich ertappt, wie ein schüchterner Junge der etwas verbotenes tut. Das war ein Gefühl das er lange schon nicht mehr kannte.

Es gab eine Zeit da war das anders, da fühlte er das Leben in sich auf blühen, vergessen war die trostlose Kindheit. Es war der Tag des Konzertes. Es war im Sommer, im Stadion, ein Open-Air, er und seine Kumpels ganz vorne dabei. Die Stimmung war berauschend noch ehe die Band die Bühne betrat. Von hinten wurde mit unwiderstehlicher Gewalt geschoben, es war eng und es war heiß. Ein Duft stieg ihm in die Nase, eine Mischung aus milder Seife und zartem Schweiß. Erst jetzt registrierte er das Mädchen vor ihm und spürte wie ihre Körper aneinander gepresst wurden. Die Band begann zu spielen und die Atmosphäre wurde magisch. Langsam begannen sie sich rhythmisch zur Musik zu bewegen, miteinander zu tanzen, es war ein wundervoller Moment. Der Abend wurde langsam zur Nacht und ein heftiger Sommerregen setzte ein, in den Regentropfen vor seinen Augen  brachen sich die Lichter der Bühne zu einem Kaleidoskop aus Farben. Der Druck der Menge ließ etwas nach, doch ihre Verschmelzung wurde intensiver als sich ihre Hände fanden. So tanzten sie miteinander bis die letzte Zugabe gespielt war und die grellen Scheinwerfer das Stadion fluteten. Nur einen Augenblick ließ er sie aus den Augen. Als er sich wieder umdrehte war sie verschwunden.Voll Schrecken suchten seine Augen die Umgebung ab und Erleichterung machte sich breit als er sie wiederfand. Sie drehte sich um, ihre Blicke verliebten sich. Es war das erste mal das er ihr Gesicht sah … die Menge löste sich auf, seine Kumpels zogen ihn mit sich, er riss sich los, wühlte sich gegen den Strom, doch sie war verschwunden … es war das letzte mal das er ihr Gesicht sah.

Das alles lag lange zurück. Er hat sie nie wieder gesehen, er konnte nie aufhören an sie zu denken. Er hat sie gesucht, überall, voll Hoffnung zuerst, dann nur mehr aus purer Verzweiflung. Es wurde zur Obsession, nichts anderes in seinem Leben hatte noch Bedeutung, er verlor sich, er verblühte und alle sahen nur noch den Versager in ihm.

Irgendwann war er dagegen abgestumpft. Wollte all die Vorwürfe nicht mehr hören, hat einfach dicht gemacht, nichts konnte ihn mehr erreichen. Damals hatte er das Trinken angefangen. Es half ihm durch die Nächte, half ihm nicht an sie zu denken, half ihm nicht an sein verkorkstes Leben zu denken. Als er merkte was es aus ihm machte war es zu spät. Er konnte nicht damit aufhören, auch wenn die Wirkung längst verflogen war. Damals starb er das erste Mal.

Jetzt saß er hier, auf dieser Bank an diesem See. Er musste einen abstoßenden Anblick abgeben. Hatte sie Angst vor ihm? Er könnte es verstehen, denn er war nicht mehr als ein Geist … ein Niemand!

(Fortsetzung siehe “Zeit zu gehen“)

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Goodbye Valentine

geschrieben in menschliches am Februar 14th, 2010 von ra.f.

Valentinstag neigt sich langsam dem Abend zu. Die Blumen blühen noch wie die Augen der Verliebten, die Küsse schmecken süß, dass selbst die Pralinen sich damit nicht messen können und die umschließenden Arme erinnern daran das der Frühling der Ewigkeit doch gerade erst begonnen hat.

Doch den Glücklichen da Draußen will ich diesen Post nicht widmen. Ich denke an jene, die heute allein auf der Couch sitzen, mit nichts weiter im Arm als einem Kissen. Deren Feuchtigkeit in den Augenwinkeln nicht richtig trocknen will. Die hin und her gerissen sind zwischen Sehnsucht, Wut, Selbstzweifel und Zorn. Keine schlauen Worte wurden jemals gesprochen, keine Medikamente erfunden, die ihren Schmerz vertreiben können. Nichts, außer der Vergesslichkeit der Zeit.

Oft wurde dieser melancholische Blues schon besungen. Auch wenn diese Lieder die Geschehnisse nicht verändern, so geben sie doch wenigstens den Trost das auch andere diese Zeiten durchmachen … oder durch gemacht haben …  oder durchmachen werden.

A Fine Frenzy besingt es in ihrem Lied “Almost Lover” mit den Worten:

ich wollte dich für immer glücklich machen
ich dachte du wolltest das selbe für mich

Goodbye, mein beinah Geliebter
Goodbye, mein hoffnungsloser Traum
ich versuche nicht mehr an dich zu denken
kannst du mich nicht einfach loslassen?
mach’s gut, du glücklichlose Romanze
ich wende dir meinen Rücken zu
hätte wissen müssen das du nur Kopfschmerz bringst
wie beinah Geliebte es immer tun

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Liebe ist…

geschrieben in menschliches, philosophisches am Februar 8th, 2010 von ra.f.

Sie ist das wichtigste Vermächtnis des Christentums, die stärkste Sehnsucht der Menschheit und wie schon Platon  schrieb “Der Wahnsinn der Götter”: DIE LIEBE! …

So stand es heute in der Einleitung zu einer neuen Artikel-Serie in der BILD Zeitung (08.02.2010). Na, da haben sie ja mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen … oder etwa nicht!?  Meiner Meinung nach so ziemlich die dümmste Definition von Liebe die ich je gelesen habe. Nächstenliebe, evolutionäre Selektion und Rumgepoppe verrückter Götter! Sollen das die Eckpfeiler sein zwischen denen die Liebe lebt! Fehlt da nicht noch ein bischen was! Leidenschaft, Hingabe, Fürsorge und Schmerz, eine ganz besondere Beziehung zwischen zwei Menschen.

Hier noch ein paar Definitionen aus anderen Quellen. Die Wikipedia definiert es auf diese, etwas sehr sterile, aber wahre Weise:

Liebe ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden fähig ist

Richard David Precht meint dazu:

Liebe ist eine unordentliches Gefühl

und man muss ihm schon irgendwo recht geben.
Bei Rammstein, wie kann es anders sein,  geht es ums rammeln:

Liebe ist für alle da

Den Schmerz und die Leidenschaft hat keiner besser auf den Punkt gebracht wie Franz Kafka:

Liebe ist, daß Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle.

Aber die schönste und  romantischste  Beschreibung wie ich finde hat Nena besungen:

Liebe will nicht, Liebe kämpft nicht, Liebe wird nicht, Liebe ist

Und falls euch auch noch ein paar schöne Zitate einfallen, dann schreibt sie mir in den Kommentar.

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Der Sonnenschein, der Frosch und der Sperling

geschrieben in menschliches, philosophisches am Dezember 13th, 2009 von ra.f.

Der Sonnenschein war verliebt. Lange hatte er ihn angesehen, den Frosch, der da auf der Leiter saß, grün und schön und voller Stolz. Helle und glückliche Tage verbrachten sie zusammen. Und alle konnten es sehen; alle die Wärme spüren  die er für den Frosch in die Welt strahlte.

Abwechslung! Wieder anderes erleben. Als der Frosch bemerkte wie seine Haut nach und nach trockener wurde, konnte er nur noch daran denken. Und als die Gelegenheit günstig war, wandte er dem Sonnenschein den Rücken zu und stiegt die Sprossen hinab. Die Strahlen verschwanden, es wurde kalt und dunkle Wolken verdeckten den Himmel. Und als der Sonnenschein an diesem Tag den Horizont überquerte wollte er nicht mehr wieder kommen.

Hinter fahlem Grau vergingen die Tage, Regen prasselte und Unwetter wüteten. Da gingen alle zum Frosch, baten ihn, etwas zu tun. Nach langem Zögern willigte er ein, stieg die Sprossen wieder hinauf. Alle freuten sich. Doch die Wolken wichen nicht und keiner wusste ob es den Sonnenschein noch gab.

Ein kleiner Sperling, der oft mit dem Sonnenschein zusammen war, fasste seinen ganzen Mut, flog hoch, höher als er jemals zuvor geflogen war. Er stieß durch die Wolken und  fand den Sonnenschein, allein, traurig und voller Angst. Der Sonnenschein erzählte, wie gerne er zurückkehren würde. Doch der Frosch! Und die Leiter! Es war nicht möglich!

Der Sperling berichtete dem Sonnenschein von der Rückkehr des Frosches, vom erfolglosen Aufstieg. Er berichtete auch von den anderen die darauf warteten das er wieder kehre. Doch bald schon musste er zurück fliegen, denn seine Kräfte ließen nach.

Der Sonnenschein verbrachte noch eine lange Zeit allein hinter den Wolken. Aber dann beschloss er, es müsse vorbei sein.

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Hinter dem Nebel

geschrieben in menschliches am November 22nd, 2009 von ra.f.
(Fortsetzung von: siehe hier)

Irgend etwas reißt sie aus ihrem Traum. Sie öffnet die Augen, hat das Gefühl beobachtet zu werden. Sie schaut sich um. Doch die Nebelschwaden über dem See sind dichter geworden. Niemand ist zu sehen, nur stille Bäume mit ihren farbigen Blättern, die der Wind lautlos auf das Gras fallen lässt.

Sie spürt plötzlich die Kälte des Morgens und die Feuchtigkeit die langsam in ihre Kleidung dringt. Sie beginnt zu zittern. Ein Zustand der ihr sehr vertraut ist. Oft muss sie ihn ertragen in der Gegenwart Anderer. Sie kann es nicht verhindern, so sehr sie es wollte. Diese Zweifel, diese endlose Scham, dieses Gefühl der Wertlosigkeit. Sie senkt dann den Kopf und wünscht sich woanders zu sein, an einem Ort ihrer Träume, wo niemand über sie urteilt.

Doch all das ist weit weg in diesem Moment. Noch immer fühlt sie eine andere Gegenwart in der Leere dieses Morgens. Ein Gefühl von Angst beschleicht sie. Ihr Körper spannt sich, bereit auf zu springen und davon zu laufen. Sie zögert als ein Sonnenstrahl durch das Grau des Morgens ihr Gesicht trifft. Ein Hauch von Wärme durchströmt sie. Das Zittern lässt nach. Sie schaut wieder auf den See, ihr Blick fest in eine Richtung gerichtet. Der Wind lässt den Nebel übers Wasser ziehn und langsam gibt der Schleier das andere Ufer frei.

Jetzt sieht sie die Bank und den Mann der auf ihr sitzt. Ein Schrecken durchfährt sie. Wo kam er her?  Wie lange sitzt er schon da?
Etwas verwundert stellt sie fest das der Schreck schnell zu weichen scheint. Er sieht sie an, sie kann es erkennen, genau in ihre Richtung und nicht an ihr vorbei. Sie erwidert den Blick, verbirgt nicht ihr Gesicht; keine Scham und keine Zweifel erfüllen sie, nur die Hoffnung einen Jemand anzusehen.

(Fortsetzung siehe hier)
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Hinter Glas

geschrieben in menschliches am November 6th, 2009 von ra.f.

Es gibt Dinge denen du nicht ausweichen kannst, Dinge die einfach geschehen … vielleicht weil sie geschehen müssen.  Folgendes hat sich vor kurzem ereignet:

Ein Mann, nennen wir ihn Eddie, lief durch die Straßen einer Stadt auf der Suche nach einem neuen Leben. Er hatte sein Jetziges satt, lange schon. Er wollte raus, er wollte was Neues sehen, wollte wieder Abenteuer erleben, so wie es damals war.  Eddie denkt oft an damals.

Als er nun so durch die Stadt zog kam er irgendwann an einem Schaufenster vorbei. Hinter diesem Fenster machte sich eine Dekorateurin zu schaffen. Sie wandte ihm den Rücken zu, so dass er sie nicht gleich sehen konnte; und hätte es diesen besonderen Augenblick nicht gegeben, er wäre arglos weiter gegangen. Doch in diesem Moment, dem Moment als sie sich umdrehte und sich ihre Blicke für einen winzigen Augenblick begegneten, änderte sich alles für ihn. Nun war Eddie nicht gerade die Spontanität in Person und doch eher behäbig, deshalb lief er auch erstmal weiter. Doch das Signal war angekommen. Er machte kehrt und lief zurück; zurück zu dem Fenster hinter dem ein Wunder auf ihn wartete.

Ihr Name war Marlena, aber das wusste Eddie zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht; und dennoch, es war ihm als würde ihr Name wie ein Echo durch ihn fließen; ein Echo dessen Ursprung in der Zukunft lag.

Auch sie war von diesem Augenblick an verzaubert. Alle Dinge die gerade noch so wichtig erschienen – die schlecht bezahlte Arbeit,  die Verabredung am Abend mit ihrem Kollegen, die ewigen Nörgeleien ihrer Mutter – waren wie ausgelöscht.  Sie wandte sich der Straße zu; und mit kleinen, zaghaften Schritten trat sie ihm entgegen bis nur noch das dünne Glas sie beide trennte.

Er legte die Hand auf die kühle Scheibe; sie tat es ihm gleich; und niemals werden sie diese erste Berührung vergessen. Lange blieben die beiden so stehen, fast wie erstarrt, ihre Blicke miteinander verbunden. Der Atem, der sich zu beiden Seiten auf der Scheibe niederschlug, konnte ihre Sicht nicht trüben. Denn ihre Sicht war nun weit nach vorne gerichtet;  kein Damals mehr und auch kein Suchen …

An dieser Stelle beende ich die Erzählung dieser Geschichte. Warum? Nun, dafür gibt es einige Gründe. Ein Grund wäre bespielsweise das die folgenden Ereignisse ganz alleine den beiden gehören. Doch ich bin sicher, jeder kennt die Fortsetzung und jeder kann sie für sich selbst weiter erzählen.

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Fassade

geschrieben in menschliches am Oktober 24th, 2009 von ra.f.

hab ich je gesehen
wer du wirklich bist
nimm die maske ab
zeig mir dein gesicht
hast du den mut?
nein, du hast ihn nicht

das was du siehst
ist nicht nur schein
wenn ich jeden schutz dir opfer
was wird dann anders sein?
kann ich dir vertrauen
auch diese antwort lautet, nein

was ist es
das du vor mir verbirgst
welch dunkles geheimnis
hinter diesem vorhang wirkt
ich habe angst
das unsre liebe stirbt

woher kommen diese zweifel
ich kann es nicht verstehen
dieses plötzliche verlangen
die zeit war doch so schön
aber kann mich nicht entblößen
wir müssen auseinander gehn

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