“Der Computer kann keinen einzigen kreativen Akt berechnen, voraussagen oder erklären. Kein Algorithmus erklärt Mozart oder Picasso oder auch nur den Geistesblitz, den irgendein Schüler irgendwo auf der Welt hat.”
Diese Worte sind Frank Schirrmachers Schlussfolgerung die er in einem aktuellen Bericht auf Spiegel-Online äußert (siehe: Mein Kopf kommt nicht mehr mit).
Ein Satz dem ein Großteil seiner Leser wahrscheinlich sofort zustimmen wird. Die Frage ist nur, reicht das? Ist es für den Menschen ausreichend sich dadurch von der Maschine abzugrenzen, in dem er sagt “ich bin kreativ, der Computer kann nur schnell rechnen”. Auch die Algorithmen entspringen den menschlichen Gehirnen, und ich behaupte, dass das ein durchaus kreativer Akt ist.
Schirrmachers Aussage klingt wie eine Ausrede, es ist ein Argument das so alt ist wie der Computer selbst. Mit jeder neuen Generation von Computern wurde gesagt, das die menschliche Kreativität das ist, was uns dem Computer gegenüber immer noch überlegen sein lässt. Von daher ist das nichts Neues was er hier beizutragen hat.
Doch was ist das überhaupt für eine Sprache, der sich Schirrmacher hier bedient. Er schreibt davon das die Gefahr von Computern und Maschinen ausgeht. Er personalisiert den Computer als ein Wesen, dessen einziges Ziel die Unterdrückung bzw. Ausbeutung des Menschen ist. Ich weiß nicht ob er sich dabei nicht all zu sehr von der Science-Fiction hat beeinflussen lassen. Hinter jedem Computer, hinter jedem Algorithmus, hinter jedem Datenspeicher stecken Menschen, die dieser Maschine eingeben was sie tun soll. Ein Hammer oder eine Atombombe, keines dieser Dinge hat einen handelnden Willen. Nichts anderes ist der Computer an sich, er kann ein Werkzeug sein, er kann als Waffe dienen. Letztendlich kommt es auf den Menschen an der diese Maschine bedient. Von daher ist folgender Satz auch nur die halbe Wahrheit
“Je stärker die Computer in unsere Sprache und in unsere Kommunikation eingreifen, desto dringender wird eine Erziehung, die zeigt, dass die wertvollsten menschlichen Verhaltensweisen durch Nicht-Vorausberechenbarkeit gekennzeichnet sind.”
Es ist ein virtueller Gegner den Schirrmacher versucht hier aufzubauen. Der Mensch ist der Sitz des Edlen und Guten, von der Maschine geht Kontrolle und Unterdrückung aus. Eine fatale Sichtweise wie ich finde, denn ist es nicht so, dass gerade auch die schlimmsten menschlichen Verhaltensweisen auf Nicht-Vorausberechenbarkeit beruhen. Ich denke man muss gar nicht weit zurück in die Geschichte blicken um das zu erkennen (siehe z.B auch den Post Perspektiven, nur eines von vielen irrationalen Beispielen).
Der Flut von Informationen herr zu werden, ist sicherlich nicht einfach und dabei das Wichtige vom Belanglosen unterscheiden ist noch viel schwieriger, da gebe ich ihm völlig recht. Aber diesen Umstand dadurch anzuprangern, dass man die Schuld auf das Werkzeug schiebt, trifft einfach nicht den Kern des Problems. Der Mensch ist die Ursache und der Mensch ist die Wirkung, daran hat sich nichts geändert. Und mit unsere Kreativtät werden wir lernen müssen uns damit zurechtzufinden und sollten uns nicht mit ihrer Hilfe davon distanzieren. Das wäre ein Akt von Resignation.
“Welcome my son, welcome to the machine.
What did you dream? It’s alright we told you what to dream.”
Das sangen schon Pink Floyd vor knapp 30 Jahren. Wahre Propheten würde ich sagen!