Das Baby Prinzip

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am September 30th, 2010 von ra.f.

Es gibt etwas das allen Dingen – belebten und unbelebten – auf dieser Welt gemein ist. Es ist der Prozess des Entstehens, des Werdens und des Seins. Ich nenne es das Baby Prinzip.

Damit Dinge entstehen können benötigen sie einen von der Welt isolierten Raum in dem sie ihre ureigensten Eigenschaften entfalten können. Äußere Einflüsse können sich in dieser Phase extrem schädlich auswirken. Beim Menschen ist dieser Raum der Mutterleib, wo sich aus dem Fötus ein Baby entwickelt. Dieses Ungestörtheitsprinzip ist wichtig damit etwas gelingt, etwas Gutes entstehen kann.

Der Übergang in die zweite Phase der Existenz ist in jedem Fall ein besonderer Moment. Man nennt es Geburt, Richtfest, Schiffstaufe oder Verkaufsstart. (Projektmanager nennen diesen Termin oft Deadline – völlig absurd). Diese zweite Phase ist gekennzeichnet durch das Werden. Wie ein Baby nach der Geburt völlig hilflos und allein nicht lebensfähig ist, so benötigen alle Dinge eine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung wenn sie in die Welt treten (auch wenn unbelebten Dingen diese Phase oft nicht zugestanden wird). Denn was fehlt sind Beziehungen und Verknüpfungen zur Umwelt in die das neue Etwas hinein gekommen ist. Diese Beziehungen müssen hergestellt oder erlernt werden. Es – das Baby, das Objekt – muss nicht in die Welt hineinwachsen, sondern in der Welt aufwachsen und zu einer Persönlichkeit, einem Subjekt werden.

Dies ist dann die dritte Phase, das Erreichen des Seins. Der Übergang ist nahtlos und nicht durch ein singuläres Ereignis gekennzeichnet. Das Sein ist gekennzeichnet durch Vertrauen und Verlässlichkeit in die geschaffenen Beziehungen und zwar in beide Richtungen. Umwelt und Subjekt sind nun fest miteinander verbunden, jeder Versuch der Trennung verursacht Schmerz.

Ich glaube es war Michelangelo, der dieses Prinzip so unglaublich treffend beschrieben hat, als es behauptete, seine Statuen wären bereits im Marmor vorhanden und er hätte sie nur freigelegt. Heute steht sein David in Florenz und ist als Teil der Kunstgeschichte nur schmerzlich wegzudenken.

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Todfeinde

geschrieben in kulturelles, sinnloses am Februar 9th, 2010 von ra.f.

Die beiden konnten sich nicht leiden. Schon seit Kindertagen prügelten sie aufeinander ein. Manchmal mit Worten, manchmal mit Schlägen, immer boshaft und immer maximal verletzend.

Jetzt standen sie sich gegenüber zum letzten Duell; bewaffnet, geladen und bereit.  Der Hass stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Heute wird es sich entscheiden. Unzählige Stunden der Wut, der Erniedrigung. All die Jahre und jetzt hier. Sämtliche Gemeinheiten kommen hoch und konzentrieren sich in diesem Moment. Einer muss verlieren, den höchsten Preis bezahlen. Jetzt wird es geschehen … entsichert! … der Finger am Abzug und der Abzug am Anschlag …

Die Nacht war stockfinster und totenstill. Niemand war hier, keine Zuschauer, kein schadenfrohes Gelächter, keine Anheizer. Niemand sieht wie sie auseinander gehen und den Sinn ihres Daseins zurück lassen…

Einige Zeit später fand man den einen erhängt in seinem Keller, der andere jagte sich in seinem Loch eine Kugel in den Kopf. Bei beiden fand man einen Zettel auf dem stand:

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Liebe ist…

geschrieben in menschliches, nachdenkliches am Februar 8th, 2010 von ra.f.

Sie ist das wichtigste Vermächtnis des Christentums, die stärkste Sehnsucht der Menschheit und wie schon Platon  schrieb “Der Wahnsinn der Götter”: DIE LIEBE! …

So stand es heute in der Einleitung zu einer neuen Artikel-Serie in der BILD Zeitung (08.02.2010). Na, da haben sie ja mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen … oder etwa nicht!?  Meiner Meinung nach so ziemlich die dümmste Definition von Liebe die ich je gelesen habe. Nächstenliebe, evolutionäre Selektion und Rumgepoppe verrückter Götter! Sollen das die Eckpfeiler sein zwischen denen die Liebe lebt! Fehlt da nicht noch ein bischen was! Leidenschaft, Hingabe, Fürsorge und Schmerz, eine ganz besondere Beziehung zwischen zwei Menschen.

Hier noch ein paar Definitionen aus anderen Quellen. Die Wikipedia definiert es auf diese, etwas sehr sterile, aber wahre Weise:

Liebe ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden fähig ist

Richard David Precht meint dazu:

Liebe ist eine unordentliches Gefühl

und man muss ihm schon irgendwo recht geben.
Bei Rammstein, wie kann es anders sein,  geht es ums rammeln:

Liebe ist für alle da

Den Schmerz und die Leidenschaft hat keiner besser auf den Punkt gebracht wie Franz Kafka:

Liebe ist, daß Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle.

Aber die schönste und  romantischste  Beschreibung wie ich finde hat Nena besungen:

Liebe will nicht, Liebe kämpft nicht, Liebe wird nicht, Liebe ist

Und falls euch auch noch ein paar schöne Zitate einfallen, dann schreibt sie mir in den Kommentar.

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Der Versager

geschrieben in menschliches am November 1st, 2009 von ra.f.
(Fortsetzung von: siehe hier)

Er ist ein Versager. Alle sagen das und es war schon immer so. Er hatte sich daran gewöhnt, es machte ihm nichts mehr aus. Nach dem Tod seiner Mutter war er auf sich allein gestellt. Der Tante, bei der er aufwuchs, bedeutet er nichts und ihm ging es genauso. Er hatte gelernt sich allein durchs Leben zu schlagen, Dreck zu fressen und sich doch einzubilden es hätte ihm geschmeckt. Das war seine Normalität. Er erwartete nichts und Nichts bekam er auch.

Es war eine lausige Nacht, zu viel gesoffen, wie so oft; allein an der Bar sitzend, bis der Kellner ihn aus der Tür schob. Er wusste nicht wohin er gehen sollte, alle Kneipen hatten geschlossen. Einfach nach hause gehen, in seine verdreckte Wohnung; der Gedanke kam ihm nicht einmal.

Der Morgen brach schon an, es ist kalt und Nebelschwaden ziehen um die Bäume als er den Park erreicht. Es war Herbst und das Grau des Morgens verband sich mit den Farben der Blätter. Er hat keine Augen für diese Schönheit. Er setzt sich auf eine Bank, vor ihm liegt ein kleiner See; das Wasser still und glatt. Er ist froh allein zu sein, niemand in seiner Nähe; niemand dem er mit Verachtung begegnen muss.

Der Rausch verschwindet langsam aus seinem Kopf. Es friert ihn und er überlegt ob er gehen sollte. Eine Bewegung auf  der anderen Seite des Sees lässt ihn inne halten. Der Nebel gibt die Umrisse einer Frau frei. Sie setzt sich auf eine Bank, hat ihn nicht bemerkt. Er beobachtet sie; ihr Anblick fesselt ihn. Ein seltsames Gefühl beschleicht ihn als er ein Lächeln zu erkennen glaubt. In diesem Moment wünscht er sich ein Jemand zu sein und all seiner Erfahrungen beraubt.

(Fortsetzung siehe hier)
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Selbstreflexion

geschrieben in menschliches am August 5th, 2009 von ra.f.

Um sich selbst zu reflektieren genügt es nicht in seinen eignen Spiegel zu schauen. Aus sich heraus treten um sich so zu betrachten wie ein Außenstehender es tun würde, ist nur eine Form der Selbsttäuschung. Es funktioniert nicht, man kann bei dieser Betrachtung seinen eigenen Illusionen nicht entkommen.

Sein Selbst zu reflektieren heißt sich im Spiegel eines anderen zu sehen. Die Reaktionen eines anderen Menschen auf das Tun und Sein der eigenen Persönlichkeit, daraus ziehen wir unsere Selbsterfahrung. Ablehnung und Bestätigung sind die beiden Pole dieser Reaktionen.

Ablehnung zu vermeiden und Bestätigung zu finden ist das größte Streben in unserem Leben. Dieses Prinzip ist übertragbar auf jeden Bereich des Mensch Seins, abgesehen von den rein biologisch begründeten Bedürfnissen. Es ist uns jede Mühe wert, denn unseren eigen Stellenwert erkennen wir darin.

Wenn wir lieben, so ist es unser größtes Streben, dass diese Liebe vom Anderen erwidert – also reflektiert – wird. Dafür schwitzen und dichten wir. Beim Sex bestätigt der Orgasmus des anderen die eigene Potenz. Wenn wir arbeiten, ziehen wir unsere Motivation nicht aus der Höhe der Entlohnung, sondern aus der Anerkennung und Dankbarkeit eines Anderen für das Geschaffene.

Zur Selbstwahrnehmung gehören also mindestens Zwei. Jeder kann des anderen Spiegel sein. Und wenn wir uns trauen den Andren zu betrachten und seine Reaktionen zulassen, dann werden wir unser wahres Selbst erkennen. Eine Mutprobe!

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Tod, Leben … und davor?

geschrieben in nachdenkliches am Juli 13th, 2009 von ra.f.

Wieso fragen sich alle “Was kommt danach?” … nach dem Leben … was ist der Tod?. Wieso fragt keiner nach dem “Was war davor?” … vor diesem Leben … vor der Geburt … oder für die Spitzfindigen unter euch … vor der Zeugung. Keine Worte verschwenden wir dafür … es gibt nur das Leben und den Tod in unserem Denken … das Jetzt und das Danach.

Doch ist das angemessen? … ist diese Phase nicht ebenso bedeutungsvoll. Natürlich … da ist die Zeit … die läuft nun mal vorwärts und selten zurück … also was kümmert uns was gestern war … was davor war … es kommt nicht wieder. Doch ist das nicht zu simpel … und ignorant dazu … kann man Leben und Tod betrachten ohne das Davor mit einzubeziehen in unser Gleichungssystem … na gut, diese dritte Unbekannte wird die Lösung nicht einfacher machen … aber vielleicht korrekter.

Natürlich beschäftigen wir uns damit … werden die Naturwissenschafler unter euch jetzt sagen … die Suche nach dem Anfang an sich … ein Milliarden schweres Streben ist das. Doch ehrlich gesagt … wer kann euch schon trauen … die ihr alles durch das ständige Umwandeln von Energiezuständen erklären wollt.

Und die Religionsfraktion unter euch … auch euch höre ich reden … von Wundern und göttlichem Getue. Lasst mal gut sein … das hilft hier auch nicht weiter.

Beschäftigt man sich aber mit dem Gedanken “Was war davor?” … so sträuben sich einem die Nackenhaare … eine Abwehrreaktion … man will es nicht … man braucht es nicht. Wieso ist das so? … und wieso löst der Gedanke an das Danach nicht eben solche Reaktionen aus? Es könnte sein das wir den Tod dabei immer als die Verlängerung des Lebens glorifizieren … um es uns leichter zu machen … und sei es unbewusst. Wenn das so ist … dann ist das falsch … dann sollten wir uns von nun an sehr intensiv mit dem Davor beschäftigen … denn hier haben wir die reine Unfassbarkeit vor uns … nichts Verklärtes … etwas Unverdorbenes … die wahre Nicht-Existenz.

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