Zeit zu gehen

geschrieben in menschliches am März 30th, 2010 von ra.f.

(Fortsetzung von “Das Konzert”)

Was hält sie noch hier auf dieser Bank? Sie kennt die Antwort auf diese Frage. Es ist diese wage Hoffnung, dieser immer wieder kehrende Wunsch endlich dem Richtigen zu begegnen. Doch wenn sie darüber nachdenkt wie denn dieser Eine sein soll, kommt sie ins schleudern. Dann verwirren sich ihre Gedanken, Widersprüche treffen aufeinander und am Ende bleibt nur die Sehnsucht und die Traurigkeit.

Die Sonnenstrahlen der Morgensonne fallen durch die laubfreien Äste der Bäume. Das Glitzern auf der Wasseroberfläche, wie tausend  helle Stimmen die sich durch ihre Augen Gehör verschaffen: “lebe” flüstern sie, “lebe wieder, lebe jetzt” flüstern sie. Sie kann nicht. Noch nicht. Die Ereignisse der letzten Nacht waren noch zu frisch. Sie erinnerte sich an ihren letzten bewussten Gedanken: “Zeit zu gehen” dachte sie und schluckte die handvoll Tabletten … Stille …  Müdigkeit … dann Tod.

Sie wusste nicht weshalb sie wieder erwacht war. Lag es an der Dosis? Sie fühlte sich elend, musste sich übergeben. Kurz darauf kamen die Erinnerungen wieder, die Erinnerungen an Ihn. Sie hatte ihn getroffen. Für Momente hatte er sie glücklich gemacht. Dann war er weg, weg für immer. Sie zog sich zurück, ihre Welt wurde kleiner, ihre Welt wurde einsam.

Sie hatte nicht mehr den Mut noch mehr Tabletten zu schlucken. Sie verließ ihr Wohnung fluchtartig, wie einen Tatort an dem sie sich schuldig gemacht hatte. Nur ihre Bank konnte ihr jetzt noch Trost verschaffen und Niemand der auf sie wartete.

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Hinter dem Nebel

geschrieben in menschliches am November 22nd, 2009 von ra.f.
(Fortsetzung von: siehe hier)

Irgend etwas reißt sie aus ihrem Traum. Sie öffnet die Augen, hat das Gefühl beobachtet zu werden. Sie schaut sich um. Doch die Nebelschwaden über dem See sind dichter geworden. Niemand ist zu sehen, nur stille Bäume mit ihren farbigen Blättern, die der Wind lautlos auf das Gras fallen lässt.

Sie spürt plötzlich die Kälte des Morgens und die Feuchtigkeit die langsam in ihre Kleidung dringt. Sie beginnt zu zittern. Ein Zustand der ihr sehr vertraut ist. Oft muss sie ihn ertragen in der Gegenwart Anderer. Sie kann es nicht verhindern, so sehr sie es wollte. Diese Zweifel, diese endlose Scham, dieses Gefühl der Wertlosigkeit. Sie senkt dann den Kopf und wünscht sich woanders zu sein, an einem Ort ihrer Träume, wo niemand über sie urteilt.

Doch all das ist weit weg in diesem Moment. Noch immer fühlt sie eine andere Gegenwart in der Leere dieses Morgens. Ein Gefühl von Angst beschleicht sie. Ihr Körper spannt sich, bereit auf zu springen und davon zu laufen. Sie zögert als ein Sonnenstrahl durch das Grau des Morgens ihr Gesicht trifft. Ein Hauch von Wärme durchströmt sie. Das Zittern lässt nach. Sie schaut wieder auf den See, ihr Blick fest in eine Richtung gerichtet. Der Wind lässt den Nebel übers Wasser ziehn und langsam gibt der Schleier das andere Ufer frei.

Jetzt sieht sie die Bank und den Mann der auf ihr sitzt. Ein Schrecken durchfährt sie. Wo kam er her?  Wie lange sitzt er schon da?
Etwas verwundert stellt sie fest das der Schreck schnell zu weichen scheint. Er sieht sie an, sie kann es erkennen, genau in ihre Richtung und nicht an ihr vorbei. Sie erwidert den Blick, verbirgt nicht ihr Gesicht; keine Scham und keine Zweifel erfüllen sie, nur die Hoffnung einen Jemand anzusehen.

(Fortsetzung siehe hier)
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Der Versager

geschrieben in menschliches am November 1st, 2009 von ra.f.
(Fortsetzung von: siehe hier)

Er ist ein Versager. Alle sagen das und es war schon immer so. Er hatte sich daran gewöhnt, es machte ihm nichts mehr aus. Nach dem Tod seiner Mutter war er auf sich allein gestellt. Der Tante, bei der er aufwuchs, bedeutet er nichts und ihm ging es genauso. Er hatte gelernt sich allein durchs Leben zu schlagen, Dreck zu fressen und sich doch einzubilden es hätte ihm geschmeckt. Das war seine Normalität. Er erwartete nichts und Nichts bekam er auch.

Es war eine lausige Nacht, zu viel gesoffen, wie so oft; allein an der Bar sitzend, bis der Kellner ihn aus der Tür schob. Er wusste nicht wohin er gehen sollte, alle Kneipen hatten geschlossen. Einfach nach hause gehen, in seine verdreckte Wohnung; der Gedanke kam ihm nicht einmal.

Der Morgen brach schon an, es ist kalt und Nebelschwaden ziehen um die Bäume als er den Park erreicht. Es war Herbst und das Grau des Morgens verband sich mit den Farben der Blätter. Er hat keine Augen für diese Schönheit. Er setzt sich auf eine Bank, vor ihm liegt ein kleiner See; das Wasser still und glatt. Er ist froh allein zu sein, niemand in seiner Nähe; niemand dem er mit Verachtung begegnen muss.

Der Rausch verschwindet langsam aus seinem Kopf. Es friert ihn und er überlegt ob er gehen sollte. Eine Bewegung auf  der anderen Seite des Sees lässt ihn inne halten. Der Nebel gibt die Umrisse einer Frau frei. Sie setzt sich auf eine Bank, hat ihn nicht bemerkt. Er beobachtet sie; ihr Anblick fesselt ihn. Ein seltsames Gefühl beschleicht ihn als er ein Lächeln zu erkennen glaubt. In diesem Moment wünscht er sich ein Jemand zu sein und all seiner Erfahrungen beraubt.

(Fortsetzung siehe hier)
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Traum und Wirklichkeit

geschrieben in menschliches, philosophisches am August 20th, 2009 von ra.f.

Eine Behauptung: der Traum unterscheidet sich von der Wirklichkeit nur durch die Abwesenheit von Sinnesreizen.

Es heisst, im Traum verarbeiten wir das Erlebte … bewerten es … ordnen es in das Koordinatensystem unseres Daseins ein. Doch kann man das wirklich so sehen … ist Träumen also ein Art Defragmentierung unserer geistigen Festplatte? … ich zweifle!

Was,wenn wir im Traum nichts anderes tun als im wachen Zustand auch … wir interpretieren Eindrücke … Eindrücke nicht von Außen … sondern Echos von zuvor gemachten Erfahrungen. Im wachen Zustand sind diese Echos keinesfalls verschwunden … sie werden nur von Reizen unserer Sinne und vom Feedback unseres Körpers überlagert. Und aus all dem bauen wir unsere Vorstellungswelt … unsere Wirklichkeit … unsere Subjektivität.

Und die Pointe des Ganzen … “Alles ist Idee” … das sagte schon Platon … gut gesprochen alter Mann … Idee von Licht und Schall.

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