Zukunft der Anonymität

geschrieben in gesellschaftliches, politisches am Dezember 15th, 2009 von ra.f.
Eine Szene aus dem Film 1984
Wird man sich zukünftig noch anonym im Netz bewegen können? Oder wird Orwells 1984 mit ein paar Jahren Verspätung und etwas anderer Kulisse vielleicht doch die Realität beherrschen?

“Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.”

Das sagt Eric Schmidt, CEO von Google in einem Fernseh-Interview des Senders CNBC  (übersetzt von Spiegel-Online).

Wird Google unser Big Brother sein? Wohl eher nicht, dazu fehlen selbst diesem Giganten die nötigen Instrumente. Aber die Rolle des “Ministeriums für Wahrheit” könnte Google durchaus gut ausfüllen. Und das wahrscheinlich nicht erst in ferner Zukunft. Bereits heute bestimmt Google – in erster Linie bedingt durch die ungeheure Marktdominanz der Suchmaschine – welche Information der Surfer zu Gesicht bekommt und welche Information Googles Relevanz-Kriterien nicht erfüllt.  Und auf der anderen Seite sammelt das Unternehmen fleißig Daten der User, teilweise ganz offen und teilweise im verborgenen. Schmidt deutet auch an, wer dieser Big Brother sein könnte, er sagt:

“… it’s possible that this information could be made available to the authorities”

Letztendlich spielt es keine Rolle ob er damit ausschließlich die US Behörden meint. Andere Länder, z.B.  China, sind da wahrscheinlich schon ein großes Stück weiter.

Aber wie steht es nun um die Zukunft der Anonymität für den Einzelnen? Nun gut, insgesamt glaube ich nicht das man hier die weitere Entwicklung zu sehr schwarz malen sollte. Sicherlich wird die aktuelle Entwicklung noch einige Zeit weitergehen und wir alle werden noch gläserner werden. Das ist schlimm genug. Aber irgendwann wird das Bewusstsein dafür geschaffen sein und es wird eine starke Gegenbewegung geben (müssen). Ich bin der Ansicht, dass  das sowohl auf technischem als auch auf kulturellem Gebiet passieren wird und bereits begonnen hat.

Man wird vielleicht nicht unsichtbar sein, aber ein gute Tarnung erfüllt fast den gleichen Zweck. Es wird technische Methoden geben, die dem Nutzer diese Tarnung im Netz ermöglichen. Die Informationssammler könnten beispielsweise in einem Datenrauschen ersticken, das ihnen nicht mehr die Möglichkeit bietet echte von falscher Nutzer-Aktivität zu unterscheiden. Die Verfahren sind bereits vorhanden und man wird sie anwenden um der Gier von Unternehmen wie Google etwas entgegen zu setzen.

Und kulturell betrachtet? Ich meine auch hier kann man die Entwicklung bereits sehen. Der erfolgreiche Kampf der Piratenpartei und anderer Organisationen gegen das “Zugangserschwerungsgesetz” ist ein gutes Beispiel dafür. Wir sollten unsere demokratischen Prinzipien nicht klein reden, sondern wir sollten auf sie vertrauen. Und wir sollten sie vor allem auch anwenden. Das ist unser gutes Recht. Damit erst gar kein Big Brother entstehen kann.

Tags: , , , , , , , ,

Kurz-Url-Dienste

geschrieben in technisches am September 26th, 2009 von ra.f.

Die Nutzung von sog. Kurz-Url-Diensten (siehe Wikipedia)  wie tinyurl.com oder bit.ly hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Gerade in der sozialen Netzwelt des Web 2.0 bieten diese Dienste einen eleganten  (und oft auch einzig gangbaren) Weg, um URL-Ungetüme auf eine überschaubare Länge zu kürzen.
Doch muss man gerade diese Dienste auch kritisch betrachten, denn so praktisch die sind, sie bieten ein nicht zu unterschätzendes Potential für Missbrauch (vgl. Seibert Media Weblog: Kurz-URL-Dienste: nützlich und riskant).

Eigentlich kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Betreiber dieser erfolgreichen Dienste versuchen werden diese auch auf breiter Front zu Profit zu machen. Von der Platzierung zwischen-geschalteter Werbung bis zum Verkauf von Nutzerprofilen ist dabei vieles denkbar. Ein unangenehmes Szenario wäre sicherlich auch der Verkauf an einen großen Bruder wie Google, Microsoft & Co. 

Als Mittler zwischen Link und Webseite sitzt ein solcher Dienst an der zentralen Stelle des World Wide Web, am Konzept der Verknüpfung (Verlinkung) von Inhalten. Die Nutzer dieser Dienste sollten sich darüber im Klaren sein bevor sie sich in eine allzu große Anhängigkeit begeben. Gerade große Websites haben die Möglichkeit – durch eigene technische Maßnahmen – einen angemessenen Ersatz für einen Kurz-Url-Dienst selbst zu betreiben. Social Network Websites wie Facebook, Twitter, StudiVz, usw. könnten einiges tun um solche verkürzten Links für ihre User transparenter zu machen.
Auch eine Bereitstellung einer solchen – rein technischen – Funktionalität durch die Infrastruktur des Web selbst wäre denkbar. Dafür müssten die verantwortlichen Gremien (ICANN, IETF oder W3C) die geeigneten Rahmenbedingungen und Standards schaffen. Aber deren Mühlen laufen sehr langsam.

Tags: , , , , ,

Piratenpartei

geschrieben in politisches am September 20th, 2009 von ra.f.

Wir stehen hinter dem Grundgesetz in der grundsätzlichen Form, wie es unsere Gründungsväter 1949 ausgearbeitet haben(Quelle siehe hier)

Ist das nicht ein seltsamer Satz, den sich die Piratenpartei da in ihr Wahlprogramm geschrieben hat. Dieses fast schon religiöse Bekenntnis zu einem Gesetzestext mutet doch sehr antiquiert an. Noch dazu von einer Gruppierung, die durch die Wahl ihres Namens eher mit Gesetzlosigkeit assoziiert wird. Ok ok … “Nomen est omen”, der Name ist das Zeichen und dient hier in erster Linie natürlich dazu, die eigenen Sympathisanten und die real-weltlich eher uninteressierten Internet-Romantiker nach dem Rippen von “Fluch der Karibik – Teil 3″ in die Wahllokale zu befördern.
Oder ist etwa diese Partei, die die wahre Freiheit des Einzeln in der virtuellen Selbstverwirklichung sieht, wirklich so stark rückwärts gerichtet? Denn weiter heisst es:

Insbesondere lehnen wir Änderungen an dem die Grundrechte umfassenden ersten Abschnitt (Art. 1 bis 19) kategorisch ab, da die Vergangenheit gezeigt hat, dass diese immer nur zu einem Abbau von Bürgerrechten führen(Quelle siehe hier)

Änderungen am Grundgesetz in dieser Form von vornherein zu verdammen ist schwierig. Denn das heißt doch auch, sich z.B. gegen Änderungen bzgl. der Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft oder der Benachteiligung behinderter Mitbürger auszusprechen. Beides Bereiche die erst in späteren Nachkriegsjahren im Grundgesetz konkretisiert und ergänzt wurden. Natürlich findet man auch – gerade als freiheitsliebender Idealist – viele Änderungen die den obigen Satz zu bestätigen scheinen (z.B. das Asylrecht und die Antastbarkeit der Wohnung, …). Nichts desto trotz, den Stillstand der Gesetzgebung zu propagieren ist Gift für den demokratischen Prozess und führt zu unerwünschtem Dogmatismus und einer Auslegungspolitik wie sie religöse Glaubensgruppierungen seit jahrhunderten praktizieren.
Und das ist doch das genaue Gegenteil dessen was die Piraten anstreben. Denn gerade die explizite Verankerung der “informationellen Selbstbestimmung” im Grundgesetz, die bisher nur durch die verfassungsrechtliche Rechtsprechung gesichert ist,  ist doch eines der Hauptziele dieser Partei.

Tags: , , , , , ,