Vor dem Gesetz
geschrieben in gesellschaftliches, kulturelles am September 24th, 2009 von ra.f.“… Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet, das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht, seine große Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen, tartarischen Bart, entschließt er sich doch, lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt…”
Dieser Abschnitt, aus Kafkas berühmter Parabel “Vor dem Gesetz“, erlaubt viele Interpretationen. Doch wer einmal in die Regelwerke, Vorschriften und Verfahrensweisen der dritten Gewalt hineingezogen wurde, kann die Bedeutung dieser Worte fast in wörtlicher Form verstehen. Viel zu schnell kommt man als ungeschulter Beteiligter beim Kontakt mit der Jurisdiktion an die Grenzen des eigenen Verstandes und man wird sich mit aller Deutlichkeit der Machtlosigkeit bewusst mit der man vor diesem Apparat steht. Selbst wenn Kläger und Beklagte, Zeugen und fach-juristisches Personal einer Meinung sind, es hilft nichts, das Räderwerk lässt keine Abkürzungen zu und die Spielregeln sind bis ins kleinste Detail zu befolgen.
Und im Namen des Volkes ergeht das Urteil.
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