Vorgehen beim Blog-Umzug

… das hier ist die Fortsetzung des Artikels “Blog-Umzug” …

1. Domain registrieren und Server anmieten

Bei einem Server-Hoster habe ich mir einen virtuellen Server angemietet der für meine Zwecke völlig ausreichend ausgestattet ist. Angebote von Server-Hostern gibt es viele am Markt und sie ähneln sich alle sehr stark. Meist bekommt man einen virtualisierten Linux Server mit Apache, MySQL und PHP5 vorinstalliert, eine klassische LAMP Installation also. So war es auch in meinem Fall. Zusätzlich war eine Konfigurationsumgebung (Plesk) eingerichtet, welche die Administration des Servers über ein Web-Interface sehr stark vereinfacht.

I.d.R bietet der Server-Hoster auch die Registierung einer Domain gleich mit an. Ich habe mich allerdings dagegen entschieden und die Domain sinnlos-verbloggt.de bei einem Domain-Hoster registriert und dort den DNS A-Record auf die IP Adresses meines virtuellen Servers eingestellt. (Ich verspreche mir von der Trennung mehr Flexibilität um zukünftig leichter günstige Hosting-Angebote wahrnehmen zu können, es verursacht aber natürlich erstmal zusätzliche Kosten).

2. Apache2, MySQL und Wordpress installieren

Wie bereits gesagt war die Basissoftware für den Betrieb eines Webservers bereits installiert.  Diese bestand aus dem Apache2 (httpd-Server), MySQL (Datenbank System) und PHP5 (Programmiersprache für Webanwendungen). Den Apache konfigurierte ich so, dass die Domain sinnlos-verbloggt.de von einem eigenen VHost (virtual-host) bedient wird.

Über das Administrations-Tool myPHP-Admin (war bereits installiert) legte ich dann eine neue mySQL-Datenbank an. In dieser Datenbank speichert Wordpress die Inhalte des Blogs.

Die Installation von Wordpress ist kinderleicht, man packt das Archiv in das Document-Root Verzeichnis  des VHosts aus und trägt in der Datei wp-config.php die Datenbankverbindung ein.  Danach schließt man mit einem Aufruf  des Installtionsskripts /wp-admin/install.php die Installation von Wordpress ab.

3. Wordpress Grund-Konfiguration

Zur Grundkonfiguration von Wordpress gehört folgendes:

  • Domain eintragen unter der der Blog erreichbar sein soll, also in meinem Fall www.sinnlos-verbloggt.de
  • Benutzer anlegen unter dem man bloggen möchte. (Posten sollte man besser nicht als Nutzer ‘admin’, diesen sollte man außschließlich für die Administration von Wordpress verwenden)
  • Theme installieren und auswählen. Das Theme bestimmt das Aussehen (Layout) des Blogs. Wordpress selbst stellt online eine Vielzahl von Themes bereit, die man runterladen, installieren und dann in Wordpress anpassen kann. Hierbei gilt es zu beachten, daß der Linux-User bzw. die Gruppe unter der der Apache läuft für das Verzeichnis <document-root>/wp-content/themes Schreibrechte besitzt.
  • Widgets anordnen und anpassen. Widgets sind die Elemente in der Sidebar des Blogs
  • Einstellungen für das Schreiben von Artikeln anpassen
  • Einstellungen für die Kommentar-Funktionen des Blogs anpassen
  • Permalink Struktur anpassen. Wer auf gute SEO (Search Engine Optimization) für seinen Blog wert legt sollte eine “sprechende” Struktur für seine Artikel wählen. Sprechend heißt, der Titel des Beitrags sollte bereits in der URL enthalten sein. Hierbei gilt es zu beachten, dass der Linux-User bzw. die Gruppe unter der der Apache läuft die Datei <document-root>/.htaccess beschreiben kann und das im <directory> Eintrag der VHost Konfiguration “AlowOverride All” eingetragen ist.
  • Um zusätzliche Dateien in die Mediathek von Wordpress zu laden muss auch das Verzeichnis <document-root>/wp-content Schreibrechte dem Apache User/Gruppe gewähren.

4. Posts und Kommentare von Blogger importieren

Zum importieren meiner 25 Posts aus dem alten Blogger Blog bietet Wordpresss eine sehr elegante Import-Funktion an (Werkzeuge >> Daten Importieren). Ein großes Kompliment an die Entwickler an dieser Stelle, der Import ist perfekt und gestaltet sich sehr einfach.
Erwähnenswert vielleicht noch, es ist problemlos möglich nachträglich nochmals zu importieren. Wordpress übernimmt dann nur noch geänderte oder neue Posts bzw. Kommentare.

5. Tagging und Kategorisieren

Da das Wort Kategorie bei Blogger ein Fremdwort zu sein scheint (Kategorien sind schließlich Sünden aus der Web 1.x Ära), muss bzw. kann man seine Artikel in Wordpress nun in Kategorien einsortieren. Die Kategorien muss man zuvor angelegt haben bevor man die einzelnen Posts zuordnen kann.

Da ich bisher in meinem Blogger-Blog auf Tagging (das deutsche Unwort dafür ist “verschlagworten”) verzichtete, habe ich mir nun die Mühe gemacht alle meine alten Posts mit Tags zu versehen.

Je mehr Beiträge man aus seinem alten Blogger-Blog übernehmen muss, um so aufwendiger ist natürlich dieser Punkt. Wordpress unterstützt dabei mit einer Funktion mit der man mehrere ausgewählte Artikel gleichzeitig bearbeiten kann.

6. Alte URLs auf die neue Domain umleiten

Dieser Punkt stellte sich im Nachhinein betrachtet als der aufwendigste dar.  Grund dafür ist die mangelnde Unterstützung von Blogger für solch einen Blog-Umzug. Ziel ist es, alle URLs (bzw. Links) die man auf seinen alten Blogger-Blog in die Internet-Welt gestreut hat, sauber auf den neuen Blog umzuleiten, so dass der Nutzer automatisch weitergeleitet (Redirect) wird und im besten Falle nichts von der Umleitung bemerkt, außer das im Adressfeld des Browsers die neue Domain erscheint. In meinem Fall sollten alle URLs auf die einzelnen Artikel, die Links auf die Monatsübersichten und natürlich den Link auf die Homepage des Blogs selbst, umgeleitet werden.

Eine Umleitung der Blogger-Domain sinnlos-verbloggt.blogspot.com auf die neue Domain bietet Blogger schlichtweg nicht an. Deshalb musste ich den Umweg über sogenannte Meta-Refreshs gehen. Ein Meta-Refresh ist ein Hinweis im <head>-Abschnitt einer HTML Seite, der den Browser anweißt nach einer gewissen Zeitspanne einen Refresh der Seite über den Aufruf einer angegebenen URL durchzuführen. Das Meta-Refresh-Tag hat folgendes Aussehen:

<meta http-equiv="refresh" content="0; URL=http://www.sinnlos-verbloggt.de"/>

Der Browser soll nach 0 Sekunden (also sofort) die URL www.sinnlos-verbloggt.de aufrufen. Dieses hat also den gleichen Effekt wie ein Redirect selbst. Um das für alle Seiten des Blogger-Blogs durchführen zu können war folgendes zu tun:

  • Zusammenstellen aller relevanten URLs des alten Blogs und deren Pendants im neuen Blog (bei mir waren das 60 URLs)
  • Mit Hilfe des Blogger Tags <b:if cond=’data:blog.url == alte URL’ > konnte ich prüfen welche URL im Blogger-Blog gerade aufgerufen wird. Daraus bastelte ich mir dann den folgenden Code zusammen, der die alte URL prüft und das entsprechende Meta-Refresh Element mit der neuen URL in die HTML Seite einfügt:
<b:if cond='data:blog.url == &quot;http://sinnlos-verbloggt.blogspot.com/&quot;'>
 <meta http-equiv="refresh" content="0; URL=http://www.sinnlos-verbloggt.de/"/>
</b:if>

<b:if cond='data:blog.url == &quot;http://sinnlos-verbloggt.blogspot.com/2009_10_01_archive.html&quot;'>
 <meta http-equiv="refresh" content="0; URL=http://www.sinnlos-verbloggt.de/date/2009/10"/>
</b:if>

... für alle anderen URL die gleiche Prozedur ...
  • Diesen Code-Abschnitt fügte ich in das verwendete Blogger-Template in den Abschnitt zwischen <head> … </head> ein.

Da nun leider ein Meta-Refresh auf einer HTML-Seite keine Garantie dafür ist, das jeder Client diesen auch berücksichtigt und die gewünschte Umleitung durchführt, habe ich noch einen Hinweis in die Seite eingefügt. Dieser fordert den User auf einem Link zum neuen Blog zu folgen. Der Code für diesen Hinweistext hat einen ähnlichen Aufbau wie der Meta-Refresh Code:

<h1>sinnlos-verbloggt ist umgezogen!</h1>
<b>Du wirst automatisch an die neue Adresse umgeleitet. Falls dies
nicht funktionieren sollte klicke bitte auf den folgenden Link:
<br/><br/>
<b:if cond='data:blog.url == &quot;http://sinnlos-verbloggt.blogspot.com/&quot;'>
 <a href='http://www.sinnlos-verbloggt.de/'>http://www.sinnlos-verbloggt.de/</a>
</b:if>
<b:if cond='data:blog.url == &quot;http://sinnlos-verbloggt.blogspot.com/2009_10_01_archive.html&quot;'>
 <a href='http://www.sinnlos-verbloggt.de/date/2009/10'>http://www.sinnlos-verbloggt.de/date/2009/10</a>
</b:if>
...
</b>

Auch diesen Code habe ich in das Template eingefügt, allerdings im <body> Abschnitt und zwar genau an der Stelle an der normalerweise der Text des Artikels steht. Damit sieht der User nicht mehr den Text des Posts, sondern nur noch diesen Hinweistext. Auch Suchmaschinen wie Google sehen beim sog. crawlen der Seite diesen Hinweis und folgen dem Link zum neuen Blog.

7. Bloggen in neuer Umgebung

Tja, das ist das was ich hier gerade mache.

Fazit

Natürlich konnte ich hier nicht jedes Detail des Blog-Umzugs beschreiben und musste oftmals nur an der Oberfläche kratzen. Deshalb,  falls ihr selbiges oder ähnliches mit eurem eigenen Blog vorhabt und ihr an einem bestimmten Punkt nicht weiter kommt, scheut euch nicht mich zu fragen. Schreibt einen Kommatar oder schickt mir eine Mail an ra.f-AT-sinnlos-verbloggt.de (ersetze -AT- durch @)

In jedem Fall gilt, je fürher ihr euren Blog umzieht um leichter wird es. Denn der Aufwand wächst deutlich mit der Anzahl des Artikel im alten Blog.